Zurück zur Startseite
9. Juni 2012Berlin-Konferenz

Workshop 5

Miteinander statt Gegeneinander

Zusammenhalt statt Ausgrenzung – was hält unsere Gesellschaft zusammen, was treibt sie auseinander? Wie muss eine Stadt aussehen, die alle mitnimmt, keinen zurücklässt und Barrierefreiheit garantiert? Wie gestalten wir ein friedliches und solidarisches Zusammenleben von BerlinerInnen unterschiedlicher Herkunft, Weltanschauung, sexueller Orientierung oder Religion?

Für Inputs stehen zur Verfügung:

  • Gün Tank (Migrationsausschuss der IG Metall)
  • Koray Yilmaz Günay (Rosa-Luxemburg-Stiftung)
  • Nadja Hirseland (Landesarbeitsgemeinschaft selbstbestimmte Behindertenpolitik)
  • Peter Storck (Pfarrer und stv. Superintendent der Heilig-Kreuz-Passionsgemeinde Kreuzberg)

Moderation: Elke Breitenbach (sozialpolitische Sprecherin Linksfraktion im Abgeordnetenhaus)

Miteinander statt Gegeneinander – was hält unsere Gesellschaft zusammen, was treibt sie auseinander?

Die Berliner Stadtgesellschaft verfügt – bei aller Differenzierung – im Vergleich mit anderen europäischen Metropolen derzeit noch über eine relativ hohe Integrationskraft.Es gibt keine Banlieues wie in Paris. Noch existiert die Berliner Mischung von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur, Weltanschauung, Religion oder sozialem Status weitgehend, aber die Ghettoisierung sozial ausgegrenzter Berlinerinnen und Berliner nimmt zu. Das Prinzip »Jede und jeder nach seiner oder ihrer Façon« wirkt in Berlin zwar nach wie vor und drückt sich in der Vielfalt von Lebensstilen, Kulturen und Weltanschauungen aus. Doch das ist prekär und in Gefahr.

Der Anstieg der Mieten, die ausgrenzende und stigmatisierende Wirkung der Hartz-Gesetze mit ihren Sanktionen und viel zu niedrigen Regelsätzen sowie die anhaltend hohe Erwerbslosigkeit treiben die soziale Polarisierung voran. Viele Berlinerinnen und Berliner sind arm trotz Arbeit oder Rente, arm, weil sie dauerhaft vom Erwerbsleben ausgegrenzt sind und arm, weil die Regelsätze von Hartz IV und Grundsicherung bei weitem nicht ausreichen.

Diskriminierung von älteren Menschen oder Menschen mit Behinderung sind in Berlin genauso an der Tagesordnung wie Homophobie, patriarchale Strukturen oder Rechtsextremismus und Rassismus. Dabei geht es um Rassismus zwischen weißer Mehrheitsgesellschaftund Minderheitsgesellschaft, sprich people of colour. Aber auch innerhalb der Berliner Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte gibt es Hierarchisierungen und Diskriminierung, die zu Ausgrenzungen führen.

Gesellschaftliche Integration – Inklusion – in einer Stadtgesellschaft heißt: Barrieren abbauen, die Partizipation, gleichen Rechten und gleichen Chancen entgegenstehen. Heißt: Gesetze, Vorschriften und Normen bekämpfen, die gesellschaftliche Ausgrenzung und Diskriminierung verfestigen. Inklusion heißt: eine gesellschaftliches Klima schaffen, das auf Teilhabe und Beteiligung setzt und die notwendigen Voraussetzungen und soziokulturelle Infrastruktur dafür schafft. Wie das funktionieren kann und soll, das soll Gegenstand dieses Workshops sein.

Dabei wollen wir in einem ersten Schritt eine Bestandsaufnahme real existierender Ausgrenzungsprozesse, ihrer Folgen und Ursachen in Berlin vornehmen. Im zweiten Teil des Workshops soll es dann um die gemeinsame Entwicklung von Handlungsperspektiven und Möglichkeiten realer Veränderungen gehen.