DIE LINKE. Berlin


18. Januar 2018Disput

Bitte einbringen!

Sebastian Koch und Sandra Brunner (Stellv. Landesvors.)

Wem gehört die Stadt? Wem gehört DIE LINKE?
Ein Jahr Rot-Rot-Grün und tausend neue Mitglieder im Landesverband Berlin 

Von Sebastian Koch
 

Als Berliner LINKE liegt ein aufregendes und erfolgreiches Jahr 2017 hinter uns: Wir regieren nun seit einem Jahr zusammen mit SPD und Grünen und können schon eine ganze Reihe konkreter Verbesserungen für die Mehrheit der BerlinerInnen vorweisen. Wir haben einen lebendigen Bundestagswahlkampf geführt, haben dabei unser Ergebnis von 2013 steigern können und sind in der Berliner Innenstadt mit Abstand sogar stärkste Partei geworden. Und: Wir haben rund 1.000 neue Mitglieder gewonnen, die mit uns für eine bessere Welt streiten wollen.

Dieses erfolgreiche Jahr stellt uns als Partei vor einige Herausforderungen. Wir wollen als Berliner LINKE nicht nur Zuschauer der Landesregierung sein, sondern die Politik des Senats aktiv mitbestimmen. Die Aufgabe der Partei darf schließlich nicht nur darin bestehen, alle paar Jahre den Wahlkampf zu stemmen und sich dann zurückzulehnen. Dafür suchen wir auch nach einem Jahr »r2g« immer noch nach geeigneten Formaten.

Wir wollen die inhaltlichen Diskussionen so gestalten, dass jedes Mitglied sich einbringen kann – auch ohne Fachexpertin oder Fachexperte zu sein. Mit unseren offenen Basiskonferenzen haben wir erste gute Erfahrungen gemacht. Dort haben wir unsere SenatorInnen mit VertreterInnen stadtpolitischer Initiativen, den Landesarbeitsgemeinschaften der Partei und interessierten GenossInnen zusammengebracht, um gemeinsam Erfolge und Herausforderungen zu diskutieren.

Die Mitglieder der LINKEN sind die wichtigsten MultiplikatorInnen für unsere Politik in Senat und Parlament. Nur wenn wir diese Politik gemeinsam entwickeln, darüber diskutieren und uns gegenseitig informieren, können wir dafür auch in der Stadt mit Überzeugung werben. Im kommenden Jahr wollen wir zusätzlich thematische Ratschläge organisieren um unsere politischen Ideen für Berlin auch über unser letztes Wahlprogramm oder den Koalitionsvertrag hinaus weiterzuentwickeln. Das Wissen und die Erfahrungen unserer rund 8.000 Mitglieder sind dabei eine der wichtigsten Quellen.

Darüber hinaus müssen wir die vielen Neuen bei uns willkommen heißen. Zu Recht erwarten die über tausend Neumitglieder von der LINKEN, sich nach ihren Möglichkeiten und Vorstellungen in unsere Strukturen einbringen zu können. Dabei wissen nur die wenigsten, wie politische Arbeit in einer Partei eigentlich genau funktioniert und was man dort alles machen kann.

Aus vielen Diskussionen mit alten und neuen Mitgliedern haben wir daher in den vergangenen Monaten Ansätze für eine Stärkung der Mitgliederarbeit erarbeitet. Wir wollen DIE LINKE in Berlin zu einer starken Mitmach-Partei entwickeln. Für uns sind die Mitglieder nicht bloße Konsumierende, denen man alles vorsetzt. Vielmehr setzen wir auf Selbstermächtigung und darauf, dass die Mitglieder ihre Partei so gestalten können, wie sie es wünschen.
 

Spaß darf nicht zu kurz kommen

Beispielhaft steht dafür die »Arbeitsgruppe Mitgliederarbeit«, die wir beim Landesvorstand eingerichtet haben. In dieser AG sind nicht nur Vorstandsleute, sondern vor allem neue Mitglieder engagiert, die selbst erst vor kurzem bei uns eingetreten sind. Sie wissen am besten, welche Bedürfnisse neuen GenossInnen mitbringen und welche Hindernisse sich bei der Mitarbeit in der LINKEN auftun. In der Arbeitsgruppe können sie die Mitmach-Möglichkeiten weiterentwickeln, etwa wenn es um die Ausrichtung unserer landesweiten Neumitgliederveranstaltung oder die Inhalte unserer Begrüßungsbroschüre geht. Unsere Aufgabe als Landesvorstand sehen wir darin, Möglichkeiten zu schaffen, die Arbeit der Landespartei selbst in die Hand zu nehmen.

Oft wird uns von neuen Mitgliedern erzählt, dass sie selbst zwar wenig Zeit haben und auch die regelmäßige Teilnahme an Versammlungen kaum möglich ist, sie aber gern ihre spezifischen Fähigkeiten in die Parteiarbeit einbringen wollen. Die eine kann vielleicht besonders gut Veranstaltungen organisieren, ein anderer ist gut im Fotografieren und die dritte hält gern Vorträge über die Geschichte der Arbeiterbewegung. Diese Angebote wollen wir systematisch erfassen und damit für uns als Partei im Land und vor Ort nutzbar machen.

Besondere Hürden für die Mitarbeit existieren für GenossInnen mit Kindern und für jene, die Pflegearbeit leisten. An Sitzungen am Abend können sie nicht teilnehmen, weil das Kind ins Bett gebracht werden muss oder Veranstaltungen am Wochenende können sie nicht besuchen, weil sie sich um Angehörige kümmern. Für diejenigen unter uns, die seit langem in der Partei mitarbeiten, sind solche Hindernisse vielleicht kaum sichtbar – aber es gibt sie, und wir wollen sie abbauen. Das kann durch eine Mitarbeit in Gremien per Videoübertragung oder die Nutzung von Online-Werkzeugen geschehen.

Ziemlich genau die Hälfte der Neumitglieder im Jahr 2017 sind unter 30 Jahren alt, zwei Drittel von ihnen sind männlich. Die 26- bis 30-Jährigen sind in Berlin in der männlichen Mitgliedschaft mittlerweile die größte Gruppe. Bei den Frauen ist die größte Gruppe nach wie vor mit Abstand die der 86-jährigen und darüber hinaus. Während wir uns also einerseits über die steigende Zahl jüngerer GenossInnen freuen können, macht uns Sorge, dass der Anteil der Frauen stetig abnimmt. Auch aus diesem Grund wollen wir ein Mentoring-Programm entwickeln, das gezielt Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund anspricht und diese für die Mitarbeit und die Übernahme von Funktionen gewinnen soll. Auch wollen wir mit daran arbeiten, die Strukturen und Arbeitsweise unserer Partei für die Mitarbeit von Frauen und für Menschen mit Migrationshintergrund attraktiver zu gestalten.

Neben der inhaltlichen Arbeit und der Weiterentwicklung unserer Organisation kommt eine Überlegung oft zu kurz. Wir sind alle freiwillig Mitglied in der LINKEN geworden, um gemeinsam die Welt zu verändern. Wir diskutieren gern und viel – häufig sehr engagiert, mitunter sogar verbissen. Doch bei all dem darf auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Lasst uns hin und wieder nach einer Sitzung gemeinsam ein Bier, eine Limo oder einen Wein trinken oder uns zum Picknicken im Park treffen. Denn wenn wir schon unsere Freizeit in DIE LINKE einbringen, dann soll Parteiarbeit auch Spaß machen. Jenseits von langatmigen Versammlungen können wir uns so von einer ganz anderen Seite kennenlernen. Und sicher hilft das, unsere Diskussionen respektvoll und solidarisch zu führen.

Diese Ansätze mögen uns banal oder selbstverständlich vorkommen. Die Erfahrungen vieler GenossInnen sprechen aber eine andere Sprache. In diesem Sinne möchte ich alle Mitglieder – egal, ob schon lange oder erst seit kurzem dabei – ermutigen, sich aktiv in die Parteientwicklung einzubringen. Welche Themen wollen wir entwickeln? Wie wollt ihr euch engagieren? Was müssen unsere Strukturen leisten? Wie sollen unsere Veranstaltungen ablaufen? Nur wenn wir diese und andere Fragen zusammen beantworten, können wir DIE LINKE in Berlin und im Rest des Landes zu einer wirklichen Mitmach-Partei entwickeln.

Quelle: http://www.die-linke-berlin.de/politik/positionen/partei/debatte_um_die_linkspartei/bitte_einbringen/