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21. April 2012Klaus Lederer

Politischer, spannender, erfolgreicher werden!

DIE LINKE. Berlin hat eine Basiskonferenz gemacht

220 Plätze fasst der Münzenbergsaal im Bürohaus am Franz-Mehring-Platz. Der platzte aus allen Nähten, weil der Andrang der Berliner Mitglieder unserer Partei DIE LINKE sehr groß war. Wir haben einfach die Türen geöffnet und der verfügbare Platz genutzt – es ging! Mit zwei Beiträgen haben unser Landesgeschäftsführer Carsten Schatz und ich den Debattenauftakt gemacht. Meinen Redebeitrag könnt Ihr hier nachlesen.
Im Anschluss wurde im Plenum intensiv diskutiert. Mit Praxisbeispielen, Kritik am Landesvorstand und der Abgeordnetenhausfraktion, Lustvermittlung und Frustabbau. All das gehört dazu. Wir werden diese Diskussion auch auswerten, damit umgehen. Der zweite Teil unserer Basiskonferenz fand in Workshops statt.

Unsere Partei steht gegenwärtig nicht nur in Berlin nicht blendend da. Dagegen hilft nur Politik. Das betrifft die Inhalte, aber auch unser tägliches politisches Engagement. So die Frage, wie wir miteinander diskutieren – aber auch mit Stadt und Gesellschaft. „Tu Gutes und sprich darüber! – Zauberwort Kommunikation“ ist ein Thema, dem wir uns widmen müssen. Auch Mitgliedergewinnung und Mobilisierung in unserem Landesverband spielt eine Rolle. Wie erreichen wir uns, kriegen schnell und gut wichtige politische Aktivität hin? „Respektieren! Einbeziehen! Motivieren!“ steht hier auf der Tagesordnung. Eine Partei funktioniert nur gut, wenn wir lebendig sind, miteinander reden, lernen, uns in der Gesellschaft verankern, gemeinsam besser werden. „Miteinander wachsen!“ ist die Herausforderung. Und schließlich verfügt unsere Partei über gewachsene Strukturen, die ganz offenbar nicht mehr geeignet sind, um ein spannendes, lebendiges und ausstrahlendes Parteileben zu entwickeln? Zwei weitere Workshops haben sich mit spezifischen Themen befasst: mit der Entwicklung der LINKEN in Schulen und Hochschulen sowie zum Thema Wohnen und Mietenpolitik.

„Organisation ist Politik!“ – das war der Workshop, für den ich mich entschieden habe. Dort sind eine Reihe von Problemen und Fragen thematisiert worden: Wo kann ich mich einbringen, wenn ich berufstätig bin und nicht die Möglichkeit habe, mich kontinuierlich in einer Basisorganisation einzubringen? Wäre es nicht sinnvoll, dass auf Bezirksebene nicht mehr Delegierte gewählt werden, sondern das Mitgliederprinzip gilt? Was ist an den politischen Prozessen in Projekten oder beispielsweise bei den „Piraten“ so spannend – was praktikabel und was politisch progressiv, was vielleicht auch nicht? Wie schaffen wir es, dass sich Frauen stärker einbringen? Organisieren wir uns in Ortsverbänden oder eher in Wahlkreisen? Was sind die Bedingungen, die wir erfüllen müssen, damit Interessierte auch bleiben? Wie sind wir in der Lage, mit geringeren Ressourcen trotzdem Engagement und Präsenz aufrechtzuerhalten? Wie schließen wir die Generationslücke zwischen den Jüngeren und den Älteren? Wie können zeitweise Projekte und Themen bearbeitet werden, ohne dass das Miteinander in Beliebigkeit und Zufallsaktionismus verfällt? Was müssen wir tun, damit wir unsere Potenziale in Vereinen, Initiativen und Verbänden besser nutzen und erweitern? Lokale Fragen und „globale“ stadtpolitische Themen – wer legt die politischen Prioritäten fest, wie wird über notwendigerweise immer endliche Ressourcen entschieden? Selbstermächtigung und Selbstverantwortung: können wir positive Erfahrungen vervielfältigen? Wie sparen wir uns kraftraubende immer wieder neue Prozesse des Lernens anhand der immer gleichen Fragen und Probleme? Wie kriege ich als Aktivist*in mit, was andere Aktivist*innen so treiben? Welche Rolle spielen unsere LINKE-Räumlichkeiten vor Ort und welche Anforderungen müssen wir dort sichern? Was können Online-Beteiligungs- und Kommunikationsformen leisten und was nicht?

Im Abschlussplenum wurden die Ergebnisse schließlich zusammengetragen. In allen Themenfeldern wurden Schwächen und Stärken analysiert, To-Do-Listen zusammengestellt. Nicht alles konnte intensiv genug diskutiert werden. Es sind manche Themen nur angerissen worden. Aber nicht alles ist auf einer Basiskonferenz abschließend klärbar. Manches muss in Bezirken und Landesverband aufgegriffen werden, manches wird weiter in Arbeitsgruppen, Foren und Workshops weiterentwickelt werden müssen. Zum Teil haben wir dazu bereits Verabredungen gehabt, zum Teil heute getroffen. Zum Teil werden die Suchbewegungen weitergehen müssen. Aber bereits der gegenseitige Austausch hat Horizonterweiterungen mit sich gebracht, Erfahrungen haben sich weitervermittelt und können motivieren und vorwärtstreiben. Der heutige Tag tat mir gut, aber wir sind noch lange nicht an dem Punkt, dass wir die Hände in den Schoß legen können. Machen wir weiter mit aller Kraft, solidarisch und lebendig – für eine starke LINKE in Berlin und darüber hinaus!