Ziel rot-roter Politik ist es, jedem Kind und jedem Jugendlichen das Recht auf Chancengleichheit beim Zugang und beim Erwerb von Bildung zu garantieren. Jedes Kind muss die Chance haben, sich zu einer Persönlichkeit zu entwickeln, die ihr Leben eigenverantwortlich in die Hände nimmt und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft hat. Bildung ist der Schlüssel dazu. Gerade im Bereich der vorschulischen Förderung und im Schulbereich haben wir in diesem Sinne in den vergangenen Jahren wichtige Reformen eingeleitet. Diese Reformen werden fortgeführt und weiter entwickelt. Wir wollen insbesondere die Kinder und Jugendlichen erreichen, die aufgrund ihrer sozialen Lage unsere besondere Unterstützung brauchen. In Berlin lebt fast jedes dritte minderjährige Kind in Armut. Viele dieser Kinder haben einen Migrationshintergrund. Wir werden daher auch weiterhin in unserer Kinder-, Jugend- und Familienpolitik Schwerpunkte setzen für sozialen Ausgleich und den Abbau von Benachteiligungen.
Kinder und Jugendliche haben das Recht, an allen sie und ihre Zukunft betreffenden Entscheidungen beteiligt zu werden. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen. Die frühzeitige Erfahrung von Demokratie und Toleranz beugt auch rechtsextremistischen und fremdenfeindlichen Denk- und Verhaltensweisen vor, denen wir uns auch zukünftig energisch und mit der ganzen Kraft der Zivilgesellschaft entgegen stellen werden.
SPD und Linkspartei.PDS wollen allen Kindern eine frühkindliche Förderung in der Kita ermöglichen. Hierzu wird die Koalition:
Wir werden an einem kommunalen Angebot von Kita-Plätzen festhalten.
Wichtiges Ziel unserer Kita-Politik ist die Qualitätsentwicklung auf der Grundlage des Berliner Bildungsprogramms. Die Koalition sieht die Kitas als Bildungseinrichtung. Daher werden wir
Die Fortsetzung und Weiterentwicklung der eingeleiteten Reformen zur Qualifizierung der Sprachförderung wollen wir u.a. erreichen durch die Weiterführung der erfolgreichen Mütterkurse auch im vorschulischen Bereich, durch das zeitliche Vorziehen der Schulanmeldung und der damit verbundenen Sprachstandsuntersuchung und Schuleingangsuntersuchung, um Förderbedarf frühzeitiger zu erkennen sowie durch die Verlängerung der verpflichtenden Sprachförderung auf ein Jahr.
Der weiteren Qualifizierung der Inhalte und Strukturen der Erzieherinnen und Erzieher-Ausbildung messen die Koalitionspartner auch zukünftig große Bedeutung bei. Wir werden u.a. alle Anstrengungen unternehmen, um den Modellstudiengang zur Erzieherinnen und Erzieher-Ausbildung auf Fachhochschulniveau dauerhaft zu etablieren und die Bemühungen verstärken, um mehr Studierende mit Migrationshintergrund und mehr männliche Bewerber für eine Ausbildung in erzieherischen Berufen zu gewinnen.
Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt dem Kinderschutz. Kinderschutz ist Eltern- und Familienunterstützung: Grundsätzlich geht Kindeswohl vor Elternwille. Kinderschutz beginnt im Vorfeld möglicher Gefährdungen; schon vor der Geburt eines Kindes mit der Unterstützung und Begleitung von werdenden Eltern bis zur alltäglichen Lebensbewältigung mit den Kindern. Dies bedarf einer hohen Kooperationsbereitschaft und -verpflichtung aller beteiligten Institutionen.
In Berlin wird die Zusammenarbeit von Kinder- und Jugendgesundheitsdiensten, Jugendämtern, Kindertageseinrichtungen, Schulen, Geburts- und Kinderkliniken, Hebammen, Kinderärzten, Sozialpädiatrischen Zentren, Freien Trägern sowie den Familiengerichten und der Polizei durch den Abschluss verbindlicher Kooperationsvereinbarungen verbessert. Berlinweit werden einheitliche Kriterien zur Einschätzung von Gefährdungssituationen verbindlich festgelegt.
Es soll ein verlässliches Melde- und Informationssystem, insbesondere zwischen Kindertageseinrichtung, Schule, Jugendhilfe, Gesundheitsbehörden und Polizei, etabliert werden. Als Ansprechpartner für Betroffene, Einrichtungen und Bürgerinnen und Bürger und als Mittler zwischen den am Netzwerk Kinderschutz beteiligten Behörden und Institutionen werden in den Bezirken »Kinderschutzkoordinatoren« eingeführt.
Wir werden präventive familienunterstützende Angebote im Sozialraum im Interesse des Kinderschutzes stabilisieren und ausbauen. Einen Schwerpunkt bildet die »Aufsuchende Elternhilfe« insbesondere bei der Geburt eines Kindes, um Eltern zu beraten und rechtzeitig Überforderung zu vermeiden bzw. darauf zu reagieren.
Wir werden unter Einbeziehung vorhandener Angebote eine Hotline »Kinderschutz« mit einer Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit für Kinder und Jugendliche, Bürgerinnen und Bürger, Kindertageseinrichtungen, Schulen und anderen Einrichtungen beim Kindernotdienst etablieren.
Wir werden das in Berlin zur Verfügung stehende zielgruppenorientierte Hilfesystem weiter qualifizieren. Der Not- und Krisendienst der Berliner Jugendhilfe mit dem Kinder-, Jugend- und Mädchennotdienst wird weitergeführt und weiter entwickelt. Für Mädchen und junge Frauen, die von sexueller Gewalt betroffen sind, wird das spezielle Beratungsangebot beibehalten.
Die beteiligten Senatsverwaltungen werden für weitere Maßnahmen ein detailliertes Konzept in Form einer Senatsvorlage im Dezember 2006 vorlegen.
Die Koalition wird auf Bundesebene alle Initiativen unterstützen, die geeignet sind, den Kinderschutz weiter zu stärken. Dazu gehören u.a. Initiativen zur Etablierung von Frühwarnsystemen und die Prüfung der Möglichkeit, die Vorsorgeuntersuchungen inhaltlich und in der zeitlichen Abfolge neu auszugestalten und eine höhere Verbindlichkeit bei der Inanspruchnahme zu erzielen. Berlin wird auch Bestrebungen auf Bundesebene unterstützen, die rechtlichen Möglichkeiten der Familiengerichte bei Kindeswohlgefährdung zu erweitern.
Das Projekt zur Einführung und Umsetzung der Sozialraumorientierung wird weitergeführt, die hemmenden Regelungen im derzeitigen Finanzierungssystem werden beseitigt. Über einen Zeitraum von drei Jahren werden Instrumente für sozialräumliches Arbeiten in den Bezirken erprobt. Die Bezirke erhalten dafür ein Gesamtbudget Jugendhilfe zugewiesen. Neben der Personalausstattung werden auch Ausstattungs- und Angebots(mindest)standards entwickelt. Diese sollen unabhängig von der Trägerschaft im Sozialraum als regionale Versorgungsstandards gelten.
Die im Kinder- und Jugendhilfegesetz geforderte und im Berliner Schulgesetz ermöglichte Öffnung von Schule, vor allem für Träger der Kinder- und Jugendhilfe, soll in dieser Legislaturperiode verstärkt und auf verbindlicher Grundlage realisiert werden. Wir werden
Angebote der Kinder- und Jugendarbeit wollen wir gemeinsam mit den Bezirken und den kommunalen und freien Trägern der Jugendhilfe durch folgende Maßnahmen qualitativ und quantitativ ausbauen:
Das Land gewährleistet gemeinsam mit den Bezirken die Bereitstellung eines bedarfsgerechten und qualifizierten Angebots von Maßnahmen der Jugendberufshilfe. Wir werden darauf hinwirken, dass in allen Bezirken Kooperationsvereinbarungen zwischen Jugendämtern, Agenturen für Arbeit, den Job-Centern (U 25-Teams), der Wirtschaftsförderung und der Schulverwaltung abgeschlossen werden, um sicher- zustellen, dass durch Kooperationen und die Zusammenlegung von Ressourcen und Know how möglichst viele Jugendliche und junge Menschen eine gesicherte berufliche Perspektive erhalten. Wir werden die Einrichtung von Jugendberatungshäusern und -kompetenzzentren zur Ausgestaltung des Übergangs von der Schule in Ausbildung und Beruf in jedem Bezirk unterstützen.
Das Umsteuern im Bereich der erzieherischen Hilfen war erfolgreich. Die Koalition wird das Erreichte sichern und evaluieren. Gemeinsam mit den Bezirken und den freien Trägern werden in einem öffentlichen Diskussionsprozess Entscheidungen über die inhaltliche, strukturelle und finanzielle Weiterentwicklung in diesem Bereich verabredet.
Wir werden unsere Bemühungen zur Prävention und Bekämpfung von Kinder- und Jugendkriminalität fortsetzen. Dazu gehören u. a. folgende Maßnahmen:
Wir wollen in Berlin ein breites Bündnis für Familien entwickeln. Insbesondere wollen wir diejenigen Familien erreichen, unterstützen und integrieren, die in sozial schwierigen Verhältnissen leben bzw. die einen Migrationshintergrund haben. Das sind unsere Vorhaben: