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11. September 2008Newsletter

Um die Weiterentwicklung der Berliner Schule

Von Steffen Zillich, bildungspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus und Sebastian Schlüsselburg, Mitglied im Landesvorstand.

Bildungssenator Zöllner hat heute Eckpunkte für einen persönlichen Vorschlag zur Weiterentwicklung der Berliner Schulstruktur vorgelegt. Der Vorschlag ist zunächst einmal ein weiterer Beitrag in der öffentlichen Debatte um die Zukunft der Berliner Schule. Wir werden uns weiter offensiv an dieser Debatte beteiligen und demnächst eigene Vorschläge unterbreiten.

Zum Hintergrund:

Der Vorschlag besteht aus zwei Pahsen, an deren Ende nach der Grundschule noch zwei Schulformen, nämlich das Gymnasium und eine sog. Regionalschule stehen. In einem ersten Schritt sollen die bestehenden Haupt- und Realschulen zu einer integrierten Haupt- und Realschule zusammengelegt werden. Gymnasien, Gemeinschafts- und Gesamtschulen bleiben daneben bestehen. Zudem sollen die Grundschulen und Kitas enger miteinander verzahnt werden und das Ganztagsangebot schrittweise ausgeweitet werden.

Bei dem Vorschlag handelt es sich zunächst um einen persönlichen Vorschlag des Bildungssenators. Er hatte vor der Sommerpause durch einen Beschluss des Abgeordnetenhauses einen Prüfauftrag zur Weiterentwicklung der Schulstruktur erhalten. In diese Prüfung sollte die Ausweitung der »Pilotphase Gemeinschaftsschule« genauso einfließen wie Ansätze anderer Bundesländer.

Was ist gut an dem Vorschlag?

Senator Zöllner benennt einige wichtige Punkte, die unsere Unterstützung finden. Für DIE LINKE ist seit langem klar, dass die Hauptschule ein Auslaufmodell ist, weil sie ihren Schülerinnen und Schülern keine Perspektive bietet. DIE LINKE unterstützt ihre Abschaffung. Auch die Ausweitung von Ganztagsangeboten und eine engere Verzahnung von Kitas und Grundschulen ist unerlässlich.

Der Vorschlag greift aber insgesamt zu kurz

Dennoch: Zöllners Vorschlag zur Weiterentwicklung der Schulstruktur geht uns nicht weit genug. Er weist eine Reihe von Unklarheiten auf und fällt sogar hinter das zurück, was Beschlusslage in der SPD, auch bundesweit, ist.

Wir brauchen aber eine Debatte darüber, wo wir mit der Berliner Schule insgesamt hinwollen. Allein die schnelle Abschaffung der Hauptschule reicht nicht aus um die Probleme im Bildungswesen zu lösen. In Anbetracht aller Befunde internationaler Studien und auch der Ergebnisse der gestern veröffentlichen OECD-Studie »Bildung auf einen Blick« brauchen wir bessere Leistungen und bessere Ergebnisse in der gesamten Schule.

Debatte über Bildungsziele führen

Wir brauchen eine Verständigung darüber, welche Ziele die Berliner Schule erreichen soll. Wir sehen drei Ziele, die Leitlinien LINKER Bildungspolitik sind. Wir wollen:

  • dass alle Schüler/innen die Schule mit einem Schulabschluss verlassen,
  • dass deutlich mehr Schüler/innen das Abitur erlangen und ein Studium aufnehmen können und
  • dass die Abhängigkeit des Bildungserfolges von der sozialen Herkunft deutlich reduziert wird.

Eine erfolgreiche Bildungspolitik muss deshalb für eine Schule sorgen, die den individuellen Lernprozess jedes einzelnen Schülers unterstützt. Sie muss Selektion nicht nur in einem Teil, sondern im gesamten Schulwesen überwinden. Dies ist keine Sozialromantik sondern gesellschaftliche Notwendigkeit. Das ist auch keine Utopie sondern pädagogische Praxis in einer ganzen Reihe von erfolgreichen Schulen in Deutschland. In Berlin starten geraden die Gemeinschaftsschulen. Hier entwickeln sich Beispiele für eine solche Praxis. Es kommt jetzt darauf an sie zu stärken und für die gesamte Berliner Schule nutzbar zu machen.

Ein Vorschlag zur Weiterentwicklung der Schulstruktur darf nicht die Perspektive zu einer »Schule für alle« verbauen. Wir wenden uns gegen eine Perspektive der Zweigliedrigkeit in der Berliner Schule. Wir haben kein Interesse daran, dass neben dem Gymnasium eine neue »Restschule« festgeschrieben wird. DIE LINKE wird sich in der folgenden Debatte zusammen mit Bündnispartnern weiter für eine »Schule für alle« einsetzen.