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29. November 2012BerlinInfo

Wir wollen ein normales Leben führen

Seit über sieben Monaten protestieren die Flüchtlinge gegen die unmenschliche Flüchtlingspolitik in Deutschland. Sie fordern eine menschliche und freie Gesellschaft. Die Sondergesetze für Flüchtlinge in Deutschland sollen endlich abgeschafft werden. 

Maryam DaliriMaiwand Nori

Der anfängliche Umgang der Behörden mit den Hungerstreikenden am Brandenburger Tor sorgte landesweit für Empörung. Trotz Regen und Kälte beschlagnahmte die Polizei immer wieder gespendete Planen, Isomatten, Sitzunterlagen. Unter dem Eindruck einer breiten Solidaritätswelle haben sich die Bedingungen zwar mittlerweile gebessert, doch in der Sache bleibt die Bundesregierung hart. Daher haben sich die Flüchtlinge entschieden, ihren Protest fortzusetzen. Unter den 15 Hungerstreikenden sind auch Maiwand und Marjam.

Maiwand ist 19 Jahre, wie er selbst sagt, ist er seit genau einem Jahr und acht Monaten bereits in Deutschland. Bevor er sich dem Protest von Flüchtlingen angeschlossen hatte, lebte er in Greiz – der junge Afghane sagt: »Lieber möchte ich sterben, bevor ich dorthin wieder zurück muss«.

Warum kam er her? »In meinem Land gibt es seit Jahren einen nicht enden wollenden Krieg. Ich habe viel aufgeben müssen. Die Entscheidung für mich war nicht einfach, ich musste schließlich meine Mutter und meinen Bruder in Afghanistan zurücklassen. Mein Vater ist im Krieg gestorben. Ich musste flüchten, um in Sicherheit leben zu können, ein menschenwürdiges Leben führen zu können.«

Marjam Daliri ist ebenfalls 19 Jahre jung. Vor 2,5 Jahren ist die junge Iranerin mit der Mutter und der zwei Jahre älteren Schwester nach Deutschland geflüchtet. Sie hat Träume, sie hat Hoffnungen, die sie bis jetzt nicht verwirklichen konnte.

Marjam sagt, dass die Frauenrechte dort mit Füßen getreten werden, Menschrechte existieren gar nicht. Es ist sicherlich wie Maiwand sagt nicht einfach die Heimat zu verlassen. »Wir haben aber alle Träume, Wünsche die wir uns auch erfüllen möchten. Ein ganz einfaches Leben, wo ich eine Ausbildung absolvieren oder sogar vielleicht studieren kann.« Marjam schaut in die Ferne und sagt:» Jura wäre nicht schlecht, da kann ich wenigstens anderen Flüchtlingen helfen« sie lächelt …

Maiwand will auch studieren, die Möglichkeit zur Schule zu gehen hatte er bis jetzt nicht gehabt. Seit Jahren ist er nur noch auf der Straße. Er will endlich ein normales Leben führen. Bezogen auf den Hungerstreik bemerkte er: » Ja, unsere Forderungen müssen gehört werden. Wir wollen uns auch frei bewegen können, arbeiten, halt ein normales Leben führen.« Manchmal ist es schwierig, sagen die beiden, noch zu träumen darüber ob die Träume tatsächlich realisiert werden können. Zum Schluss höre ich nur noch- kein Mensch ist illegal –Bleiberecht überall.

Mit den beiden Flüchtlingen sprach: Hakan Tas, Flüchtlingspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus