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2. März 2012Katrin Möller

Herzlichen Glückwunsch zum Frauentag

Katrin Möller

Als Clara Zetkin und Käthe Duncker 1910 die Einführung des internationalen Frauentages auf den Weg brachten, ging es zuerst um das Frauenstimmrecht. Aber sie waren auch inspiriert von den Protesten der amerikanischen Arbeiterinnen. Von ihrem Kampf um gleichen Lohn für gleiche Arbeit, um Gleichberechtigung. Seitdem hat der Kampf der Frauen viele Formen angenommen.

Wo ich aufgewachsen bin, waren alle der Meinung, Frauen und Männer seien gleichberechtigt. Darüber nachzudenken, spielte im Alltagsleben keine Rolle. Das lag in erster Linie am Recht auf Arbeit für alle. Frauen waren genau so berufstätig wie Männer, bei gleicher Bezahlung. Meist arbeiteten sie aber mehr, denn Haushalt und Kinder gab es ja auch noch. Und ja liebe Männer, ihr habt da auch mal geholfen. Aber “richtige” Arbeit war das nicht. Von Wert war das, was wir heute Erwerbsarbeit nennen.

Meine Großmutter, als Hausfrau auf dem Lande, hatte demnach keine richtige Arbeit. Die Schufterei von früh bis spät war selbstverständlich. Auch die Schwester meiner Großmutter, im Ruhrpott, hatte keine Arbeit. Sie durfte von rechtswegen nicht, ihr Mann ernährte die Familie und holte sich dabei eine Staublunge. Dann pflegte sie ihn bis zum Tod, was eine Selbstverständlichkeit war – und keine richtige Arbeit.

In der DDR waren die Frauen in der Regel werktätig. Es wurde ja auch - anders als im Westen - jede Arbeitskraft gebraucht. Mit den Feiern zum 8. März wurden die Frauen dafür geehrt. Ich erinnere mich an Alpenveilchen und Pralinen, die einander im Ringtausch überreicht wurden. Heute ist das Feiern des internationalen Frauentages in der Gesellschaft keine Selbstverständlichkeit mehr. Um so wichtiger ist es für uns, diese stolze Tradition lebendig zu gestalten.

Denn die Geschichte des Kampfes um die gerechte Verteilung von Arbeit, ist auch die Geschichte der vielen unbezahlten und unsichtbaren Leistungen von Frauen, ihres Kampfes um deren Wertschätzung und um Gleichstellung in der Arbeitswelt.
Der equal-pay-Day erinnert uns jährlich daran. Es ist der Tag im Jahr, an dem das Einkommen der Frauen das Niveau des Männereinkommens vom Vorjahr erreicht hat. 2012 ist das der 23. März.

Am 8. März aber feiern wir den internationalen Frauentag. Die LINKE lädt am 10. März in das Palais der Kulturbrauerei zur Verleihung des Clara-Zetkin-Preises, der in diesem Jahr einem Projekt für herausragende Leistungen von Frauen in Gesellschaft und Politik verliehen wird. Alle sind herzlich eingeladen.

Katrin Möller, MdA, stellvertretende Landesvorsitzende