
- Religion ist freiwillig.
1. Wahlfreiheit oder Wahlzwang?
Pro Reli sagt: Nur wenn der Religions- dem Ethikunterricht gleichgestellt ist, könne man sich wirklich frei für das Eine oder das Andere entscheiden.
Die Wahrheit ist: Wenn Pro Reli obsiegt, MUSS man sich für das Eine oder das Andere entscheiden. Dadurch werden die Kinder, die den Religionsunterricht besuchen wollen, gezwungen den Ethikunterricht abzuwählen. Nur die bestehende Regelung ermöglicht ihnen beides: Unterrichtung in der eigenen Religion und Austausch über ihre Lebensvorstellungen mit Anderen.
2. Kulturelle Vielfalt in Gefahr?
Pro Reli sagt: Weil der gemeinsame Ethikunterricht alle Schülerinnen und Schüler gleich behandelt, würde die kulturelle Vielfalt nicht respektiert, alle „über einen Kamm geschoren“ und religiöse Identitäten nicht ernst genommen.
Das Gegenteil ist der Fall: Der gemeinsame Ethikunterricht nimmt die kulturelle und religiöse Vielfalt Berlins zum Ausgangspunkt und will sie im Unterricht erlebbar machen und thematisieren. So können Verständnis und Respekt untereinander wachsen. Mit Gleichmacherei hat das nichts zu tun.
3. Toleranz nur durch Religion?
Pro Reli sagt: Sie wollen Toleranz fördern.
Dagegen ist nichts einzuwenden. Die Frage ist, weshalb das nur im Religions- und nicht auch im gemeinsamen Ethikunterricht oder in anderen Fächern möglich sein soll. Warum müssen die Schülerinnen und Schüler dazu nach Konfessionen getrennt werden? Ist Toleranz nicht besser erlernbar, wenn man mit- statt übereinander spricht?
4. Werte nur in der Kirche?
Pro Reli sagt: Werte können nicht „weltanschaulich neutral“ vermittelt werden. Nur mit einem Wahlpflichtbereich Ethik/Religion könnten Lehrerinnen und Lehrer authentisch die jeweiligen „Werte aus Überzeugung selbst vorleben“.
Im Ethikunterricht stehen Werte im Mittelpunkt, die uns – egal ob und welcher Religion wir angehören – gemeinsam sein sollten: die Unantastbarkeit der Würde eines jeden Menschen, Demokratie, Gewalt-, Glaubens- und Meinungsfreiheit, Respekt gegenüber Andersdenkenden, Schutz von Minderheiten.
5. „Unterrichtsmonopol“ Ethik?
Pro Reli fordert, das „Unterrichtsmonopol“ für Ethik aufzuheben, der Staat mische sich damit in Glaubensfragen ein.
Ob und welcher Religion sich ein Mensch verbunden fühlt, ist eine persönliche Entscheidung. Im gemeinsamen Ethikunterricht wird vermittelt, diese zu respektieren. Nicht die bestehende Regelung, sondern der Vorschlag von Pro Reli erhebt ein Monopol auf die Wertevermittlung. Katholischen Kindern würden dann beispielsweise nur im katholischen, muslimische nur im islamischen Religionsunterricht Werte vermittelt werden.
6. Fundamentalistische Glaubensvermittlung verhindern?
Pro Reli behauptet, ein Wahlpflichtfach Ethik/Religion verhindert, dass ein fundamentalistischer Glauben vermittelt wird.
Religiöser Fundamentalismus jeglicher Couleur basiert auf der Vorstellung, die einzig wirklich wahre Heilslehre zu sein. Dem kann man vorbeugen, indem man Achtung und Toleranz gegenüber anderen Auffassungen vermittelt und das Hinterfragen eigener Überzeugungen zulässt. Das geht am Besten gemeinsam.