Um die Lese-, Medien- und Sprachkompetenz sowie die interkulturelle Basisqualifikation vor allem bei Kindern und Jugendlichen zu fördern und stärken, braucht Berlin leistungsfähigere öffentliche Bibliotheken. Diese sind mit 7,2 Mio. Nutzern schon heute die am meisten frequentierten Kultureinrichtungen Berlins. Sie haben den Status als „Lesehallen“ und „Aufbewahrungsorte für Bücher“ überwunden und sind als lokal verankerte und global vernetzte Kulturzentren fester Bestandteil der öffentlichen Daseinsfürsorge und kulturellen Grundversorgung unserer Gesellschaft.
Weltweit Beachtung findet die Staatsbibliothek der Stiftung Preußischer Kulturbesitz – mit inzwischen gut 10 Millionen Bänden ist die ehemals kurfürstliche Bibliothek eine der größten wissenschaftlichen Bibliotheken der Menschheit. Der mit 3 Millionen Bänden bis 1945 umfassendste historische Altbestand aller deutschen Bibliotheken befindet sich in Berlin. Legendär sind ihre Spezialsammlungen: Allein 80 % aller Bach-Handschriften lagern in dieser Bibliothek. Teilungsbedingt hat auch die Staatsbibliothek zwei Standorte: das historische Stammhaus Unter den Linden (das jetzt wieder einen großen Lesesaal erhält) und den großen Scharoun-Bau am Potsdamer Platz. Da es sich nicht realisieren ließ, der Bibliothek im Zentrum der Stadt einen die gesamten Bestände umfassenden Neubau zu verschaffen, errichtet die Stiftung derzeit in Friedrichshagen ein großes Außendepot, so dass die Staatsbibliothek künftig über drei Standorte verfügen wird.
Auch das hauptstädtische öffentliche Bibliothekswesen verfügt über eine zumindest ähnlich komplizierte Struktur. Im Zentrum steht die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB), die neben den Aufgaben einer öffentlichen Bibliothek auch die Aufgaben der Pflichtexemplarsammlung des Landes erfüllt und zahlreiche Spezialsammlungen betreut - jüngst wurde ihr z.B. die Senatsbibliothek angeschlossen. Auch die ZLB muss mit zwei Standorten klarkommen: dem Stammhaus in der Breiten Straße und der Amerika-Gedenkbibliothek in Kreuzberg. Die Hoffnungen auf einen gemeinsamen attraktiven Zentralstandort auf dem Schlossplatz bzw. im Palast der Republik, wofür sich die PDS immer eingesetzt hat, haben sich zerschlagen.
Die in einer Stiftung öffentlichen Rechts zusammengeschlossenen Bibliotheken sowie die Zentral- und die Landesbibliothek Berlins sind Informations- und Kommunikationszentren, die den Wissenstransfer zwischen Experten genauso unterstützen wie die Lese- und Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen.
Dennoch zeigt sich die Krise der öffentlichen Haushalte auch hier. Die Bibliotheken der zwölf Berliner Bezirke sind davon unterschiedlich betroffen. So wurden in den vergangenen fünf Jahren 70 selbständige öffentliche Bibliotheken geschlossen, sank die Erneuerungsquote auf 3 % und gibt Berlin im Durchschnitt des Landes nur noch 60 Cent pro Einwohner für den Medienerwerb aus (zum Vgl. Finnland: 5 Euro).
Die Bezirke gehen dabei sehr unterschiedlich mit dem Haushaltsdefizit um. Gleichzeitig gibt es erhebliche Ressourcen für Doppel- und Mehrfacharbeiten: In 12 Bezirken gibt es 12 Mahnstellen, 12 mal Medieneinarbeitung, 12 mal Sacherschließung usw.
Um die Potenziale des in den 90er Jahren etablierten EDV-Verbundes der Bibliotheken (VÖBB) besser zum Tragen zu bringen und die Leistungsstärke der Bibliotheken zu sichern, hat der SPD-PDS-Senat unter Senator Flierl eine Strukturreform eingeleitet, die folgende Maßgaben enthält:
Dabei zielt der VÖBB auf ein gemeinsames, ausbaufähiges und auf einheitlichen Standards basierendes Dienstleistungssystem aller Öffentlichen Bibliotheken. Dieses soll beispielsweise eine Erneuerungsrate von 1,50 Euro pro Einwohner beinhalten und auf eine „freiwillige Selbstverpflichtung bei Einhaltung der Autonomie der Bezirke“ setzen.
Veränderte Kooperationsmodelle, neue gesamtstädtische Verbundlösungen, neue Strukturen und Rechtsformen - die Linkspartei.PDS wird sich auch zukünftig bei allen weiteren Veränderungen im Bereich der öffentlichen Bibliotheken an dem entscheidenden Kriterium orientieren, wovon die Bürgerinnen und Bürger den größten Nutzen haben. Wir wollen, dass die Bibliotheken vor Ort in ihrer Flexibilität gestärkt werden und ihre Ressourcen auf die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer konzentrieren können. Deshalb plädieren wir für ein Organisationsmodell, das Ausstattungs- und Leistungsstandards für alle Bezirke verbindlich regelt, Verwaltungsarbeit bündelt und über den VÖBB effizienter organisiert.
Wir setzen uns außerdem dafür ein, dass die öffentlichen Bibliotheken in Berlin auch an den Wochenenden uneingeschränkt genutzt werden können.