Mit Beginn des Schuljahres 2005/06 sind in den Berliner Grundschulen Reformmaßnahmen in Kraft getreten, die die Qualität der sechsjährigen Grundschule erhöhen, ihren integrativen Charakter stärken und das individuelle Lernen fördern sollen.
Dazu zählen insbesondere:
die frühere Einschulung und der Verzicht auf die Feststellung einer „Schuleignung“ vor der Einschulung.
Zum ersten Mal wurden 5 ½-jährige Kinder in die erste Klasse eingeschult. Kinder werden somit früher und innerhalb der Schule gefördert. Dies erfordert ein Umdenken: Nicht die Kinder müssen für die Schule „reif“ sein, sondern die Schule muss sich auf die Kinder und ihrer Unterschiedlichkeit einstellen.
- die flexible Schulanfangsphase.
Für die in diesem Schuljahr eingeschulten Kinder bilden die ersten beiden Jahrgänge eine „Einheit“, die sie in der Regel in zwei Jahren, aber auch mit Stärken und Schwächen in einem Jahr oder in drei Jahren durchlaufen können. Ab dem Schuljahr 2006/07 hält dann Jahrgangsübergreifendes Lernen in den ersten beiden Jahrgängen flächendeckend Einzug, womit das mit- und voneinander Lernen der Kinder einen stärkeren Impuls erhält. Einige Schulen erweitern dies freiwillig auf die dritte Klasse sowie auf die Jahrgänge vier bis sechs. - der Ausbau der ganztägigen Bildung und Betreuung an den Grundschulen.
Für alle Schülerinnen und Schüler werden mindestens bis 13.30 Uhr Unterricht und Betreuung in der so genannten verlässlichen Halbtagsgrundschule garantiert. Dies ist die Basis der Ganztagsangebote, wozu gebundene Ganztagsschulen (verpflichtender Schulbesuch bis 16.00 Uhr) und offene Ganztagsschulen (Teilnahme von 13.30 bis 16.00 Uhr ist freiwillig und an einen Betreuungsbedarf gebunden) zählen. Deren Angebot wird erweitert und flächendeckend bedarfsgerecht ausgebaut. Mit Beginn des Schuljahres 2005/06 ist außerdem die Verantwortung für die Hortbetreuung in die Grundschulen übergegangen. Unterricht und Betreuung bilden nunmehr eine stärkere pädagogische Einheit und ermöglichen den Wechsel zwischen Unterricht, anderen Lernformen und Entspannungsphasen. - die Verstärkung der Stundentafel der 5. und 6. Klassen durch das Fach Naturwissenschaften.
Hiermit wird nicht allein ein durch vorangegangene Kürzungen entstandenes Defizit wieder ausgeglichen, sondern darüber hinaus fächerübergreifendes Lernen ermöglicht.
Die Linkspartei.PDS wird sich in der kommenden Wahlperiode dafür einsetzen, dass:
- die Qualität der begonnenen Maßnahmen gesichert wird.
Dazu müssen alle Grundschulen die erforderliche räumliche und Personalausstattung erhalten, die Lehrerinnen und Lehrer für die Reformschritte qualifiziert sein und über die notwendigen Neueinstellungen junge Lehrerinnen und Lehrer in die Schulen kommen.
- die Ganztagsangebote qualitativ und quantitativ weiter entwickelt werden.
An allen Grundschulen soll schrittweise ein Angebot bis 16.00 Uhr geschaffen und für alle Kinder ein Rechtsanspruch für die Bildung, Erziehung und Betreuung für diese Zeit eingeführt werden. Wir streben darüber hinaus an, für die Kernzeit von 13.30 bis 16.00 Uhr die noch existierende Ungleichbehandlung zwischen gebundenem und offenem Ganztagsbetrieb abzubauen, indem dieses Angebot für alle Kinder und Eltern beitragsfrei werden soll.
- Jahrgangsübergreifendes Lernen weiter entwickeln.
Die Linkspartei.PDS will, die Erfahrungen zahlreicher Schulen aufgreifend, das jahrgangsübergreifende Lernen auf die Jahrgangsstufen 1 bis 3 und 4 bis 6 ausweiten.