Die verstärkte Einbeziehung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt führt nicht automatisch zur gerechteren Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern. Im Gegenteil, die gesetzlichen Rahmenbedingungen verfestigen die Unterschiede zwischen Frauen und Männern, weil insbesondere Frauen in den prekären, nicht Existenz sichernden Dienstleistungsbereich abgedrängt werden. Ihre Aufstiegschancen sind schlecht. Selbst in Branchen mit überwiegend weiblichem Personal gibt es für Frauen nur zu einem Drittel Führungsaufgaben und dies nur in der vierten, fünften oder 6. Ebene (z.B. als Marktleiterinnen im Handel). Insgesamt stagniert die Zahl der Frauen in Führungspositionen auf niedrigem Niveau und die Anzahl der Unternehmen, die aktiv Gleichstellungspolitik betreiben, ist marginal.
Mit der Landesinitiative für Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Berliner Wirtschaft soll trotz der fehlenden gesetzlichen Verpflichtung die Situation von Frauen in der Privatwirtschaft verbessert werden. Auf Initiative des Wirtschafts- und Frauensenators sollen die Ziele von Wirtschafts- und Gleichstellungspolitik verknüpft werden. Beide Politikfelder in einer Hand bieten dafür bessere Voraussetzungen als anderswo. Außerdem war und ist die Erwerbstätigkeit und die Erwerbsneigung von Frauen in Berlin besonders ausgeprägt. Der Anteil berufstätiger Frauen war im Westteil immer höher als im übrigen Bundesgebiet, im Ostteil lag er bei ca. 90 %. Dazu kommt ein gut ausgebautes und vielseitiges Betreuungsangebot für Kinder. Vorbehalte gegen Ganztagsbetreuung sind weiniger stark ausgeprägt als im Westen.
Alle in der Initiative Zusammengeschlossenen (IHK, Handwerkskammer, Vereinigung der Unternehmerverbände, DGB, Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, Landesverband deutscher Unternehmerinnen und der European Women`s Management Development) haben ihre Bereitschaft zum Zusammenwirken in Sachen Chancengleichheit von Frauen erklärt und wollen aus unterschiedlicher Perspektive die verstärkte Integration von Frauen in wirtschaftsrelevanten Entscheidungsprozessen stärken, bessere berufliche Perspektiven und einen schnelleren beruflichen Aufstieg ermöglichen. Erste Leitlinien sind veröffentlicht, nächste Arbeitsschritte sind auf die Intensivierung der Zusammenarbeit der beteiligten Partner gerichtet, sollen einen Bewusstseins- und Kulturwandel in Unternehmen einleiten und wirtschaftliche Initiativen und unternehmerische Aktivitäten von Frauen besonders stärken. Die Rahmenbedingungen für eine optimale Verbindung von Wirtschaftswachstum und Chancengleichheit sollen verbessert und spezielle Fördermaßnahmen für Frauen in der Wirtschaft entwickelt werden. In den Berliner Wirtschaftsforen sollen regelmäßig Gleichstellungsaspekte behandelt werden. Durch höhere Akzeptanz und Erfolge von Frauen im Beruf, insbesondere wenn es nicht auf frauentypische Branchen beschränkt bleibt, helfen, traditionelle Rollenmuster aufzubrechen und Vorbehalte abzubauen. Wo Frauen gleichberechtigt ihrer Erwerbsarbeit nachgehen, werden Männer bei der Familienarbeit stärker in die Pflicht genommen. Dass dies möglich ist, machen nicht nur Familien mit Ostsozialisation vor, sondern mehrere europäische Länder. Die Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Vorteile ausgewogener Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern, flexible Arbeitszeiten zugunsten von Familien- und Erziehungsarbeit sind auch beruftätigen Männern zu eröffnen.
Natürlich ziehen in der Wirtschaft vor allem Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen. Studien belegen, dass Zufriedenheit und Bindung an das Unternehmen die Produktivität bedeutend erhöhen. Chancengleichheit stimuliert die Erwerbsbeteiligung von Frauen, die bestens ausgebildet sind.
Die Linkspartei.PDS bleibt bei ihrer Forderung nach einer gesetzlichen Verpflichtung zur Gleichstellung und Frauenförderung in der Wirtschaft, die freiwillige Selbstverpflichtung der Privatwirtschaft reicht nicht aus. Die Bilanz der Vereinbarung von 2003 hat deutlich die einseitige Konzentration auf Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zugunsten von Frauen gezeigt. Tradierte Rollenmuster werden immer wieder durch die Steuer-, Sozial-, Arbeitsmarkt- und Rentengesetzgebung neu verfestigt. Auch die 2. Bilanz vom Februar 2006 mit Schwerpunkt Frauen in Führungspositionen macht deutlich, dass die Selbstverpflichtung nicht zieht, wo es um großen Einfluss und viel Geld geht.
Nur wo die öffentliche Hand oder Gewerkschaften involviert sind, gibt es Entsendungen von Frauen in Gremien. So konnte der Frauenanteil seit 2002 verfünffacht werden, seit der von der Linkspartei.PDS gestellte Frauensenator sein Vorschlagsrecht für die Aufsichtsräte öffentlicher Unternehmen gezielt für die Benennung von Frauen nutzt.