Zurück zur Startseite

Presseecho

22. Juni 2016

Denkzeicheneinweihung

Gedenk- und Informationsstele zu Selma und Paul Latte und der Umschichtungsstelle Niederschönhausen 1934-1941 mehr

 
22. Juni 2016

Selma-und-Paul-Latte-Platz

rbb AKTUELL mehr

 
21. Juni 2016Eveline Lämmer

Feierliche Benenung »Selma-und-Paul-Latte-Platz«

Im Rahmen einer Veranstaltung benannte das Bezirksamt Pankow am Dienstag, dem 21. Juni 2016 die bisher unbenannte, in der Charlottenstraße/Beuthstraße, gelegene Grünfläche in Niederschönhausen, 13156 Berlin, in „Selma-und-Paul-Latte-Platz“.

Anschließend wurde eine Gedenk- und Informationstafel in Erinnerung an Selma und Paul Latte und die Geschichte der Umschichtungsstelle Niederschönhausen 1934-1941 enthüllt. Daran nahmen Zeitzeugen und Angehörige, darunter der ehemalige Teilnehmer der Umschichtungsstelle, Bernhard Grunberg teil. Die Historikerin Dr. Verena Buser informiert über die Biographie von Selma und Paul Latte sowie die Umschichtungsstelle Niederschönhausen.

Die Firma Paul Latte hatte ab 1920 ihren Sitz in der Buchholzer Straße 28-31 in Niederschönhausen. Ab 1934 verpachtete das Ehepaar Teile des Geländes in der Wackenbergstraße an die »Reichsvertretung der deutschen Juden«, die das Areal nutzte, um Jugendliche und Erwachsene auf ihre Auswanderung vorzubereiten. Die Machtübernahme des NS-Regimes, antijüdische Boykottmaßnahmen und eine zunehmende Ausgrenzung aus dem Berliner Wirtschaftsleben zerstörten die wirtschaftliche und soziale Existenz des Ehepaares Latte. Selma und Paul Latte wurden am 13. Januar 1943 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort starben Paul Latte am 24. Januar und seine Frau Selma am 16. Juli 1943 an den Folgen der unmenschlichen Lebensbedingungen. Ab Januar 1934 lebten auf einem Teil des Betriebsgeländes jüdische Jugendliche und junge Erwachsene und lernten in der Schmiede, Schlosserei, Tischlerei oder in den Gartenanlagen. Mädchen erhielten Anleitung in Hauswirtschaft. 1936 entstand auf dem Gelände als weiterer Ausbildungsort die »Tagesschule für Berufsvorlehre«. Mit den Ausbildungsstätten entstand für die ausgegrenzten und verfolgten Jugendlichen kurzzeitig ein Raum, in dem sie vor den alltäglichen Anfeindungen weitgehend geschützt waren. Die Umschichtungsstelle wurde zum 30. Mai 1941 aufgelöst und die verbliebenen Jugendlichen zur Zwangsarbeit verpflichtet. Von den bis heute 103 namentlich bekannten Jugendlichen und junge Erwachsenen, die zeitweise in der Umschichtungsstelle lebten, konnten nach bisherigen Erkenntnissen mindestens 39 noch rechtzeitig nach Argentinien, Australien, Großbritannien und in die USA emigrieren. Die Existenz der Umschichtungsstelle in Niederschönhausen geriet nach 1945 rasch in Vergessenheit.

In meinem WK liegend nahm ich gerne daran teil. Eine Veranstaltung, die nicht nur mein Interesse weckte, sondern mich auch nachhaltig anregte sich der Geschichte immer bewusst zu sein. Die Geschichte des ehemaligen Hachscharah-Lagers an der Buchholzer Straße in Niederschönhausen steht beispielhaft für die Selbstbehauptung der von Diskriminierung und Ausgrenzung bedrohten jüdischen Bevölkerung.