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Politik von A bis Z

Geflüchtete Frauen

Zu den allgemeinen Fluchtgründen aus Kriegs- und Krisengebieten sind Frauen besonderer geschlechtsspezifischer Bedrohung und Gewalt ausgesetzt, im Herkunftsland, aber auch während der Flucht. Sie sind mehrfacher Diskriminierung und Benachteiligung ausgesetzt und dies alles endet nicht automatisch mit dem Asylantrag. Die Flüchtlingspolitik muss von Anfang an Genderaspekte berücksichtigen. Geflüchtete Frauen brauchen neben allen üblichen Hilfen und Unterstützungen weitere zusätzliche Angebote, damit sie bei uns ein selbstbestimmtes Leben führen können.

In allen Erstaufnahmeeinrichtungen und Flüchtlingsheimen ist zu sichern, dass Räume zur Verfügung stehen, in denen Frauen vor männlicher Dominanz und sexueller Gewalt sicher sind und ihr Selbstvertrauen gestärkt werden kann. Die Betreiber von Sammelunterkünften sind vertraglich zu verpflichten, dafür die räumlichen Voraussetzungen zu schaffen und zu erhalten. Auch Gewaltschutzkonzepte mit umfassenden Regelungen zum Schutz von Frauen sind vertraglich zu verankern, entsprechende Schulungen für das Personal, einschließlich der Sicherheitskräfte sind abzusichern. Es sind Ansprechpartnerinnen zu benennen und Verfahrensabläufe festzulegen, damit Opfer von Gewalt in ihren Rechten umfassend unterstützt und Täter zur Verantwortung gezogen werden.

Es ist zu gewährleisten, dass solche Beratungs- und Schutzangebote, wie sie für Frauen in Berlin zum Abbau geschlechtsspezifischer Benachteiligungen in allen Lebenslagen und zur Prävention und Intervention bei Gewalt entwickelt wurden, auch für Flüchtlingsfrauen zur Verfügung stehen. Die dafür geltenden fachlichen Standards sind mit Blick auf die speziellen Erfordernisse von geflüchteten Frauen entsprechend weiter zu entwickeln. Damit Frauen für sich selbst aktiv werden können, sind enge Netzwerke zwischen Flüchtlingshilfe und Fraueninfrastruktur erforderlich. Die geflohenen Frauen sind durch geeignete Hilfestellungen in ihren Rechten zu stärken, für ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben. So kann ihre Integration und Partizipation gelingen und mit ihnen auch die ihrer Familie.

DIE LINKE. Berlin fordert:

  • Gendersensible Bewertung der Asylanträge hinsichtlich besonderer Schutzbedürftigkeit infolge geschlechtsspezifischer Gewalt (Verschleppung, Vergewaltigung, Genitalverstümmelung usw.),
  • Gendergerechte Gewaltschutzkonzepte als Voraussetzung für das Betreiben von Flüchtlingsheimen, deren Umsetzung durch Qualitätsmanagement und Controlling überprüft wird,
  • dazu Schulungen und Weiterbildungen für Personal, einschließlich der Sicherheitskräfte zum Thema Häusliche und sexuelle Gewalt,
  • Berücksichtigung von Rückzugsräumen für Frauen und Kinder beim Bau und bei der Einrichtung von Unterkünften, abschließbare Zimmer und Sanitäreinrichtungen,
  • Informationen in allen üblichen Sprachen über frauenspezifische Schutz- und Beratungsangebote,
  • Einsatz von professionellen, kultursensiblen und in der Antigewaltarbeit erfahrenen Beraterinnen,
  • Schaffung von dezentralen Unterkünften für gewaltbetroffene Frauen einschließlich ihrer Kinder,
  • Unterstützung bei der Anerkennung als besonders schutzbedürftige Flüchtlinge und ihre dezentrale Unterbringung und therapeutische Behandlung,
  • Beratung in Muttersprache oder mit Dolmetschern und Dolmetscherinnen, die ohne religiöse oder kulturelle Vorbehalte agieren,
  • bei sensiblen Themen (Gewalt, reproduktive und sexuelle Gesundheit) in allen Ämtern, Einrichtungen und Beratungsstellen sowie der Polizei) ausschließlich weibliches Personal,
  • Zugang zu Familien- und Schwangerenberatungsstellen, kostenfreie Abgabe von Verhütungsmitteln,
  • Zugang zu Hebammenbetreuung vor, während und nach der Geburt und familienfreundliche Unterbringung,
  • Kinderbetreuung während der Sprach- und Integrationskurse, gegebenenfalls auch in Flüchtlingsheimen,
  • Konzepte zur Erwachsenenqualifizierung, die berücksichtigen, dass Frauen oft aufgrund geschlechtsspezifischer Benachteiligung ohne Schul- und Berufsabschlüsse sind,
  • frauenspezifische Angebote zur individuellen Berufswegeplanung.