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Politik von A bis Z

Kinderarmut

Ende des Jahres 2015 lebten in Berlin 557.436 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Fast jede/jeder Dritte war abhängig von Transferleistungen (172.187), von diesen wiederum ist knapp die Hälfte – fast 84.000 – jünger als 8 Jahre. Das Risiko, in einer armen Familie groß zu werden, ist besonders hoch in Familien mit nur einem Elternteil (45 Prozent der armen Kinder lebt in Einelternfamilien) und in Familien mit Migrationshintergrund (das betrifft 53 Prozent der betroffenen Kinder). Besonders betroffen sind auch Familien mit mehreren Kindern.

Erschreckend ist, dass weitere ca. 80.000 Kinder und Jugendliche in Berliner Familien heranwachsen, die von der Erwerbstätigkeit der Eltern nicht leben können und ihr Einkommen mit Transferleistungen von Arbeitsagentur/Jobcenter »aufstocken« müssen. Als vor wenigen Monaten die neueste Shell-Jugendstudie vorgestellt wurde, war ein Ergebnis weitgehend unbeachtet geblieben: dass ca. 15 Prozent der untersuchten Altersgruppe von 12 bis 25 Jahren wegen ihrer sozialen Benachteiligung als »abgekoppelt« gilt und die Schere zwischen Arm und Reich bereits in der jungen Generation immer größer wird. Armut verfestigt sich. Die Folgen davon sind auch in Berlin sichtbar. Allerdings mit großen regionalen Unterschieden: In Mitte und Neukölln lebt fast die Hälfte von den Überweisungen von Arbeitsagentur/Jobcenter, in Steglitz-Zehlendorf und Pankow ist es weniger als jedes achte Kind.

Kinder, die in Armut aufwachsen, sind erheblichen Risiken ausgesetzt. Besonders gravierend ist, dass der Bildungserfolg der Kinder und Jugendlichen stark von der sozialen Stellung der Eltern abhängig ist. Das ist ein Grund dafür, dass der Ausstieg aus dem Teufelskreis der Armut immer schwieriger wird. Ergebnisse der Berliner Einschulungsuntersuchungen von 2014 belegen, dass Kinder aus sozial schwachen Familien bereits vor Schuleintritt in höherem Maße gesundheitliche Probleme haben, u.a. schlechtere Zähne, Übergewicht und motorische Auffälligkeiten. Auch ihre sprachlichen Fähigkeiten werden wesentlich von der sozialen Lage ihrer Familien beeinflusst. Arme Kinder werden auch in puncto Wohnen benachteiligt. Steigende Mieten haben viele Familien aus ihren Wohnungen und Kiezen vertrieben. Für die Eltern bezahlbare Wohnungen sind oft nicht kindgerecht, weil zu klein, in schlechtem Zustand oder in umweltbelasteten Gegenden.

SPD und CDU haben 2011 versprochen, eine Strategie gegen Kinderarmut vorzulegen. Das ist bis heute nicht geschehen. Das zeigt, dass für Senat und große Koalition eines der wichtigsten Themen dieser Stadt, nämlich soziale Gerechtigkeit und insbesondere Chancengleichheit für die Jüngsten, von untergeordneter Bedeutung ist. Das wollen wir ändern.

DIE LINKE. Berlin setzt sich ein für

  • Teilhabe am Leben der Gleichaltrigen durch mehr Kinder- und Jugendfreundlichkeit in der Stadt. Angebote und Leistungen sollen so ausgestaltet sein, dass sie nicht stigmatisieren und diskriminieren, weil sie den Nachweis von Bedürftigkeit voraussetzen, wie z.B. beim Bildungs-und Teilhabepaket. Wir wollen, dass schrittweise immer mehr Angebote grundsätzlich für alle Kinder und Jugendlichen frei oder stark ermäßigt zugänglich sind.
  • Chancengleichheit beim Zugang und beim Erwerb von Bildung, u.a. auch durch die Abschaffung der Bedarfsprüfungen für einen Kitaplatz und den Schulhort. Wir wollen mehr Kita- und gute Schulplätze. Die Gemeinschaftsschulen wollen wir ausbauen, denn sie haben bewiesen, dass sie allen Kindern Schulerfolg ermöglichen. Wir setzen uns für bezahlbare Ferien- und Erholungsreisen für Kinder und Familien und dafür ein, dass alle Kinder wohnortnah Freizeitmöglichkeiten unabhängig vom Geldbeutel der Eltern nutzen können.
  • Arbeit für die Eltern zu Bedingungen, von denen Familien leben können und bezahlbaren kindgerechten Wohnraum.

Auf Bundesebene streiten wir dafür, dass die Regelsätze endlich kindgerecht ausgestattet und das Kindergeld wie auch andere Leistungen nicht mehr darauf angerechnet werden. Wir wollen eine gesellschaftliche Diskussion für die Einführung einer Kindergrundsicherung, die Hartz IV und das Bildungs- und Teilhabepaket ablösen soll.