Zurück zur Startseite

Politik von A bis Z

Obdachlosigkeit von Familien

Wohlfahrtsverbände gehen von mindestens 3.000 Menschen aus, die in Berlin auf der Straße leben. Zunehmend sind Familien mit Kindern betroffen.

Der Senat weigert sich, von diesem Problem Kenntnis zu nehmen. In Not befindliche Familien mit Kindern werden im Kompetenzgerangel zwischen den Senatsverwaltungen und Senat und Bezirken zerrieben. Wenn Jugendämter helfen wollen, müssen sie sich entscheiden, Kinder entweder in Obhut zu nehmen und damit von ihren Eltern zu trennen oder die Familie zu erhalten, ohne für Wohnraum sorgen zu können. Der allgemeine Mangel an bezahlbarem und kindgerechten Wohnraum in unserer Stadt zeigt auch hier Wirkungen. Das spielt jedoch in den Plänen des Senats für den Wohnungsneubau nur eine untergeordnete Rolle. Nur auf öffentlichen Druck hin hat er erstmals im Winter 2015/16 eine Notunterkunft für obdachlose Familien mit Kindern mit 24 Betten geschaffen. Weitere 30 Betten sollen an anderer Stelle ganzjährig nutzbar eingerichtet werden. Doch das reicht längst nicht aus und kann eine Wohnung nicht ersetzen. Kinder brauchen ein Zuhause!

SPD und CDU ist es in dieser Wahlperiode nicht gelungen, ein Konzept zu entwickeln, das drohendem Wohnungsverlust präventiv entgegenwirkt und Wohnungslosigkeit beseitigt. Der Senat verweigert sich sogar der Erfassung von Zahlen zur Wohnungs- und Obdachlosigkeit, offenbar frei nach dem Motto: Wo keine Zahlen, da kein Problem. Die AWO Berlin geht von folgenden Schätzungen aus: »Im Jahr 2013 wurden in Berlin ca. 6.500 Menschen in Obdächern untergebracht. Bei 30 Prozent Frauenanteil und durchschnittlich 1,38 Kindern pro Frau sind das also 2.600 Kinder, die in Berliner Obdächern untergebracht sind. Auch hier sind die Zahlen steigend.« ( Aus dem Wortprotokoll der Anhörung im Fachausschuss Bildung, Jugend und Familie des Abgeordnetenhauses am 3. Dezember 2015)

Die Berliner Armutskonferenz hat mehrfach auf die Lage der Schwächsten in dieser Stadt hingewiesen. Träger der Wohlfahrtsverbände und Ehrenamtliche schlagen Alarm. Der Landesjugendhilfeausschuss hat am 16. Dezember 2015 einen Beschluss mit der Überschrift »Kinder gehören nicht in Obdächer, Notschlafstellen und Sammelunterkünfte« gefasst. Es wurden von vielen Seiten der Stadtgesellschaft konkrete Vorschläge gemacht. Doch der Senat hat diese bisher genauso ignoriert wie die Forderungen der Partei DIE LINKE.

DIE LINKE. Berlin setzt sich ein für

  • den bedarfsgerechten Ausbau von ganzjährigen niedrigschwelligen Angeboten in spezialisierten Notunterkünften mit pädagogischer Betreuung und Beratung für Familien mit Kindern für die sofortige Unterbringung bei Wohnungs- und Obdachlosigkeit,
  • präventive Maßnahmen im Falle drohenden Wohnraumverlustes insbesondere durch ressortübergreifende Zusammenarbeit auf Landes- und bezirklicher Ebene mit weiteren Institutionen und Einrichtungen wie z.B. den Jobcentern sowie freien Trägern und die Entwicklung von Konzepten, Strukturen und Verfahren für die ganze Stadt,
  • eine berlinweite Erfassung der Zahl wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Familien mit Kindern, um präventiv, rechtzeitig und bedarfsgerecht geeignete Unterbringungseinrichtungen, Angebote betreuten Wohnens und bezahlbare und familiengerechte Wohnungen bereitstellen zu können.