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Wahlprüfstein
 

GRIPS Theater

gGmbH

1.
Welche Bedeutung hat für Sie das Kinder- und Jugendtheater, insbesondere das GRIPS Theater?

Die Kinder- und Jugendtheater sind unverzichtbarer Teil der Berliner Theaterlandschaft, in Ost und West blicken sie auf eine lange, verdienstvolle Tradition zurück, sowohl als staatliche Bühne, als private Theater oder Freie Gruppen. Sie spielen für ein großes Publikum, für Große und Kleine. Das erfordert ein besonderes Engagement und Einfühlungsvermögen und ist eine große Herausforderung über das am Theater Übliche noch weit hinaus. Das Theater für Kinder und Jugendliche bietet einen besonderen Raum für Fantasie und Kreativität, für Auseinandersetzungen mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, für soziale und moralische Konflikte, für Träume und Realitäten, für Sehnsüchte und Selbstverwirklichung, es macht Spaß und ist anregend.

Das GRIPS Theater begann in Westberlin zu einer Zeit, als es für Kinder eigentlich nur mal Märchenproduktionen zur Weihnachtszeit gab, und verkörperte von Anfang an realistisches emanzipatorisches Kindertheater. Trotz anfänglicher Anfeindung durch konservative Kritik und Politik war es bald prägend für das Kinder- und Jugendtheater bundesweit und international. Das GRIPS war immer am Nerv der Zeit und ihr voraus, immer politisch engagiert und wirksam, immer sozial konkret und voller Fantasie, immer bewegendes großes Theater für Groß und Klein. Auch für viele aus dem Osten war es Vorbild, künstlerisch, aber auch in seiner staatsfernen Betreiberstruktur. Das Theater der Freundschaft wurde nach der Wiedervereinigung zwar nicht abgewickelt, es wurde fortan aber nicht mehr wie vergleichbare Theater für Erwachsene finanziert. Obwohl seit 1950 als Mehrspartenhaus mit festem Ensemble und umfangreichen Repertoire etabliert und erfolgreich, wurde es nach der Wende vielmehr mit dem GRIPS Theater verglichen, dessen (ohnehin viel zu knapp bemessener) Zuschuss keinesfalls ein ständig wechselndes Repertoire oder besonders aufwendige Ausstattungen geplant war.

Es war und ist sehr schwierig, zu einem Umdenken zu kommen. Nicht nur das Theater an der Parkaue und das GRIPS Theater Berlin verdienen mehr Beachtung in der allgemeinen Öffentlichkeit, vor allem Politik und Verwaltung müssen einsehen, dass Theater für Kinder und Jugendliche nicht billiger zu haben sind, sondern einen Mehrwert haben, der sich auch durch erhöhte Zuschüsse ausdrückt.

2.
Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, sind Kinder- und Jugendtheater, so auch das GRIPS Theater, unterfinanziert, und lange nicht so gut ausgestattet wie »Erwachsenentheater«. Warum glauben Sie, ist das so?

Gute Frage, die Bedürfnisse und Interessen der Kinder und Jugendlichen kommen in vielen Politikfeldern zu kurz, bei den Hartz-IV-Regelsätzen, in der Stadtraum- und Verkehrsplanung und auch bei der Kultur. Im Feuilleton werden die Kinder- und Jugendtheater nur marginal besprochen. Preise für Kinder- und Jugendtheater haben in der Öffentlichkeit nicht den adäquaten Stellenwert. Berühmt werden Schauspielerinnen und Schauspieler meistens erst, wenn sie dem Kinder- und Jugendtheater den Rücken gekehrt haben. Die internationale Anerkennung, die z.B. Volker Ludwig mit dem GRIPS erreicht hat und die besondere Wertschätzung, die das Theater an der Parkaue als Staatstheater in Fachkreisen genießt, wird bedauerlicherweise in der Berliner Kulturlandschaft oft ausgeblendet und bei der Festsetzung des Etats nicht berücksichtigt. Das gilt auch für die zahlreichen Freien Theaterinitiativen und Privattheater für Kinder- und Jugendliche. Als Zuschussempfänger stehen sie im Regen, wenn sie in die finanzielle Schieflage geraten. Selbstausbeutung wird vorausgesetzt, soziale Absicherung gibt es den wenigsten Fällen.

DIE LINKE. Berlin wird sich dafür einsetzen, dass Kinder- und Jugendtheater besser ausgestattet werden. Schon zu den Haushaltberatungen zum Doppelhaushalt für 2016/17 hat die LINKE Erhöhungsanträge gestellt. Allein der Betrag der Zuschusserhöhung für die Volksbühne wegen des Intendantenwechsels hätte zu einer spürbaren Verbesserung für das GRIPS Theater geführt. Leider ist die Koalition von SPD und CDU dem nicht gefolgt.

3.
Das GRIPS Theater gilt durch seinen emanzipatorischen und realistischen Ansatz weltweit als eines der bekanntesten Kinder- und Jugendtheater. Viele Berliner Häuser haben bei höherem Werbe-Etat eine niedrigere Auslastung. Sie können dennoch ihr Programm ohne Abstriche anbieten, weil sie in ausreichender Höhe gefördert werden. Um ohne Abstriche am professionellen Niveau existieren zu können, braucht das GRIPS Theater eine durchschnittliche jährliche Auslastung von 90 Prozent. Wir halten diese Bedingung für unzumutbar. Und Sie? Welche Perspektiven sehen Sie für die Zukunft?

DIE LINKE. Berlin würdigt die bestehenden Auslastungszahlen des Theaters ausdrücklich. Auch hier zeigt sich, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. Das muss geändert werden und DIE LINKE. Berlin versichert, dies bei den künftigen Etatberatungen mit zu berücksichtigen und sich für Etaterhöhungen einsetzen.

4.
Wir greifen als ein emanzipatorisches Kinder- und Jugendtheater brisante Stoffe des gesellschaftlichen Lebens auf. Durch umfangreiche Materialien und Workshops von unserer theaterpädagogischen Abteilung ermöglichen wir Lehrer*innen, Pädagog*innen und Multiplikator*innen die Weiterarbeit an unseren Themen jeweils vor Ort in der Schule, Gruppe oder Ausbildung. Diese Arbeit wird bis auf einen Teil der nötigen Personalkosten nicht finanziert. Wir kämpfen mit einer ständigen Unterfinanzierung bei einer ständig wachsenden Nachfrage in der Theaterpädagogik. Welche Bedeutung hat für Sie die theaterpädagogische Arbeit und wären Sie dafür bereit, den Etat vom GRIPS Theater zu erhöhen?

Die Fragestellung thematisiert zu Recht, dass die Arbeit im Kinder- und Jugendtheater besondere Anstrengungen verlangt und mehr bedeutet, als zugkräftige und bewegende Theaterstücke auf die Bühne zu bringen. Für die theaterpädagogische Arbeit ist besonders geschultes und erfahrenes Personal erforderlich und dafür muss ein bedarfsgerechtes Budget zur Verfügung stehen. Auch der zusätzliche Bedarf von entsprechenden Arbeitsmaterialien, besonderen Drucksachen und Veranstaltungsformaten muss zu decken sein, ohne es an anderer Stelle abknapsen zu müssen.

5.
Zusammen mit NGOs tritt das GRIPS Theater immer wieder für Kinder- und Menschenrechte ein. Es ermutigt in Stücken und in Workshops in Schulen und mit der Zivilgesellschaft, diese umzusetzen. Wie setzt sich Ihre Partei konkret für die Umsetzung der Kinder- und Menschenrechte ein?

Es ist das Besondere am GRIPS, dass es getreu seiner Entstehungsgeschichte und Tradition das politische Engagement für Emanzipation und Empowerment vormacht, gesellschaftliche Missstände aufdeckt, Identifikation und Empathie bewirkt und gegen Hass und Ausgrenzung auftritt. Die verstärkte Kooperation von GRIPS und NGOs ist bespielhaft und Ausdruck der partizipativen Arbeitsweise des Theaters.

Für DIE LINKE gehören Humanität und Menschenwürde zum Fundament der Gesellschaft. Alle Menschen haben Anspruch auf Schutz vor Diskriminierung und Gewalt und ein menschenwürdiges Leben, auf Wohnung und Arbeit, Bildung und Kultur, auf Gesundheitsversorgung und soziale Absicherung. DIE LINKE steht im engen Kontakt mit vielen NGOs, die sich für die Gewährleistung der Menschenrechte einsetzen, insbesondere für Kinder, für Frauen, für Geflüchtete, für Menschen, die wegen ihrer sexuelle Identität verfolgt und diskriminiert werden, für Menschen mit Behinderungen.

Zu den Kinderrechten nur in Stichpunkten: Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz, Kinder- und Jugendpolitik, die auf Mitbestimmung und Selbstvertrauen setzt, Verbesserung des Kinderschutzes, Kampf gegen Kinderarmut und für eine Kindergrundsicherung, volle Staatsbürgerrechte für Kinder unabhängig von Aufenthaltsstatur ihrer Eltern, Bildung von Anfang an, die Chancengleichheit gewährleistet.

6.
Wo sehen Sie weitere Möglichkeiten, sich für das GRIPS Theater einzusetzen und so das Kinder- und Jugendtheater in Berlin zu stärken?

Das GRIPS Theater hat die volle Unterstützung der LINKEN. Die Forderungen aus den verschiedenen parlamentarischen Anhörungen sind nicht ad acta gelegt und der Brief von Volker Ludwig vom Oktober 2015 mit dem eindringlichen Statement liegt griffbereit. Wir wollen eng mit ihm und Philipp Harpain im Kontakt bleiben. Die Schlechterstellung im Vergleich zu den Theatern für Erwachsene ist auch außerhalb der sachkundigen Fachkreise verstärkt zu thematisieren, in der Öffentlichkeit und im Parlament.