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LKJ

Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Berlin e.V. 

Im Rahmen der Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen spielt kulturelle Bildung in – und außerhalb von Schule eine besondere Rolle. Welche Bedeutung hat Kulturelle Bildung aus Sicht Ihrer Partei und welche Aufgaben ergeben sich daraus in den nächsten 5 Jahren?

Für DIE LINKE. Berlin hat die kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen eine große Bedeutung. Sie ist für uns Anspruch von Kindern und Jugendlichen auf kulturelle Bildung im schulischen und außerschulischen Kontext, von frühester Kindheit an und unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Sie ist Ort der Begegnung und gleichberechtigten Teilhabe, des Austauschs in einer Sprache, die auch ohne Worte auskommt und die jede und jeder versteht. Sie ist Vermittlerin zwischen Generationen, Geschlechtern, Religionen und Kulturen und Instrument zum Abbau von Benachteiligungen und Vorurteilen. Sie fördert Toleranz und Respekt untereinander. Sie ist inklusiv und gibt jedem Kind und jedem Jugendlichen, unabhängig ob mit oder ohne Behinderung, die Möglichkeit zur Entdeckung von eigenen Talenten und Begabungen und zur Entwicklung dieser Fähigkeiten. Sie ist Freiraum zur Selbstfindung und Entwicklung von Selbstachtung. Sie ist Spaß und Freude am Konsumieren, aber auch am selbsttätigen Entdecken und Probieren. Sie ist eine Bereicherung des Alltags von jungen Menschen, ohne dass sie sich dessen in jedem Falle bewusst sind. Sie ist Verpflichtung für Politik und Gesellschaft, die für die kulturelle Bildung nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Wichtigste Aufgabe der nächsten Jahre wird es sein, das unter Rot-Rot entwickelte Rahmenkonzept Kultureller Bildung weiter zu entwickeln und die für seine Realisierung erforderlichen Ressourcen bereitzustellen.

Die verschiedenen Akteure / Professionen der Kulturellen Bildung nehmen in dem Bildungsprozess verschiedenen Aufgaben wahr und kooperieren mit den verschiedenen Institutionen wie Kita, Schule, Jugendarbeit / Jugendkulturarbeit, Kultur. Wie unterstützt Ihre Partei diese Prozesse?

Das Anliegen der »Offensive für Kulturelle Bildung« war und ist nur durch das Zusammenwirken der verschiedenen Akteure und Professionen zu erreichen. Bereits im Rahmen der Konzeptentwicklung ist Vieles in Bewegung gekommen, was sich bis heute bewährt hat. Aber es sind auch neue Akteure und Anforderungen, z.B. im Bereich der Medienpädagogik, hinzugekommen. Wir wollen die Voraussetzungen schaffen, strukturell und inhaltlich Bewährtes zu sichern und Raum für Neues zu schaffen. Dies muss vor allem vor Ort, in den Lebensräumen der Kinder und Jugendlichen, geschehen. Wir wollen Kooperation und Vernetzung unter anderem durch die Bereitstellung von zusätzlichen Ressourcen im Rahmen des Projektfonds kulturelle Bildung fördern, dabei Bewährtes verstetigen helfen und Anregungen für die Entwicklung neuer Projekte, Paten- und Partnerschaften geben. Wir wollen durch die Entwicklung von Qualitätsstandards, z.B. im Rahmen der Verankerung der Jugendkunstschulen als außerschulische Lernorte im Berliner Schulgesetz, auch deren Mittlerfunktion zwischen schulischen und außerschulischen Kooperationen stärken. Wir wollen bestehende Bildungsverbünde in den Sozialräumen sichern und die Bildung neuer anregen. Sie sollen die Chance erhalten, durch Regelfinanzierung Kontinuität und Verlässlichkeit herzustellen und die gemeinwesenorientierte sozio-kulturelle Infrastruktur vor Ort bereichern.

Das Berliner Rahmenkonzept Kulturelle Bildung wurde 2006 eingeführt, vieles konnte erreicht werden. Wie werden Sie die bestehende Infrastruktur der Kulturellen Bildung aufrechterhalten, finanziell ausstatten und zukunftsorientiert gestalten?

Die Initiative für die »Offensive für Kulturelle Bildung« und die Entwicklung des Rahmenkonzeptes ging vor zehn Jahren von uns LINKEN aus. Es ist an der Zeit, dieses Konzept, das sich bewährt hat, fortzuschreiben. Die Berliner Denkwerkstatt Kulturelle Bildung hat dafür Positionen entwickelt, die wir teilen und die wir öffentlich breit diskutieren wollen. Wichtig ist uns vor allem die stärkere Beteiligung der Kinder und Jugendlichen und die Einbeziehung ihrer Lebenswelten und -situationen. Damit würde ein wesentlicher Beitrag zu mehr Chancengleichheit beim Zugang zu und beim Erwerb von Bildung, in diesem Falle zu kultureller Bildung, geleistet werden. Wichtig für uns LINKE ist auch die Ausstattung des Projektfonds mit mehr Ressourcen, um Bewährtes in die Regelfinanzierung zu überführen und neue Initiativen anzuregen und zu fördern. Eine bessere finanzielle Ausstattung wollen wir auch für die Förderung bezirklicher Angebote, über die Kinder und Jugendliche künftig selber entscheiden können. Die Verantwortung für Sicherung und Ausbau der bestehenden Infrastruktur ist eine ressortübergreifende, sie liegt in gemeinsamer Zuständigkeit von Land, Bezirken, aber auch des Bundes. Wir unterstützen die Bemühungen zur Fortsetzung des Bundesprogramms »Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung« und weitere Programme und Initiativen, z.B. zur Förderung der Integration von Geflüchteten. Es ist wichtig, dass es gelingt, die Ressourcen aus den verschiedenen Töpfen klug aufeinander abgestimmt einzusetzen.

Die Herausforderungen unserer Zeit sind Inklusion, kulturelle Teilhabegerechtigkeit und Partizipation. Wie schafft Ihre Partei die Grundlagen dafür, welche Ressourcen werden zur Verfügung gestellt?

Jeder junge Mensch hat Anspruch auf Förderung seiner Entwicklung. Diese im SGB VIII enthaltene gesetzliche Verpflichtung beinhaltet den Abbau von Benachteiligungen und Chancengleichheit beim Zugang zu und beim Erwerb von Bildung. Wir wollen vorrangig noch mehr Angebote bereitstellen, die, wie z.B. der Super-Ferien-Pass, allen Kindern und Jugendlichen gleichermaßen zugänglich sind und die nicht stigmatisieren und den Nachweis von sozialer Bedürftigkeit voraussetzen. Wir wollen eine kinder-, jugend- und familienfreundliche Politik im Land Berlin, die alle Kinder privilegiert und schrittweise die Voraussetzungen schafft für eine "Gratiskultur", in der die Nutzung öffentlicher Kulturangebote nicht länger vom Geldbeutel der Eltern abhängt. In der Kita sollen kulturelle Zusatzangebote wie Tanz- oder Instrumentalunterricht nicht mehr durch Zusatzbeiträge der Eltern bezahlt werden, sondern allen zugutekommen. Die bezirklichen Musikschulen könnten dafür z.B. mit Mitteln ausgestattet werden. Angebote des Jugendkulturservice, z.B. für den gemeinsamen Theaterbesuch, sollen bedarfsgerecht finanziert werden. Öffentlich geförderte Kunst- und Kultureinrichtungen wie z.B. die Bühnen, sollen spezielle (theater-)pädagogische Angebote bereitstellen. Wir wollen auch gemeinsame kulturelle Aktivitäten in den Familien fördern. Dafür wollen wir den Besuch in landeseigenen Museen und Galerien entgeltfrei machen und die Gebühren für die öffentlichen Bibliotheken abschaffen.

Kulturelle Bildung braucht Qualitätsstandards. Wie werden diese Qualitätsstandards entwickelt und welche Rolle weisen Sie den Einrichtungen der Jugendarbeit / Jugendkulturarbeit zu?

Das Rahmenkonzept für die kulturelle Bildung ist auch Steuerungsinstrument für die Qualitätsentwicklung. Diese Funktion wollen wir im Rahmen der Weiterentwicklung des Konzepts stärken. Dazu wollen wir auch Kinder und Jugendliche konsequenter als bisher in die Bewertung der Qualität und die Qualitätsentwicklung einbeziehen. Dafür braucht es Strukturen und Orte, wie zum Beispiel Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit. Die wiederum benötigen Kontinuität und Planungssicherheit durch eine Regelfinanzierung auf der Basis verbindlicher quantitativer und qualitativer Standards, die eine vergleichbare Grundausstattung in der ganzen Stadt sichern. DIE LINKE. Berlin hat sich in den letzten Jahren mit verschiedenen Initiativen für eine bessere finanzielle Ausstattung der Kinder- und Jugendarbeit in den Bezirken eingesetzt und Änderungen in der Finanzierungssystematik gefordert. Zwar ist die Abwärtsspirale gestoppt, doch eine grundsätzliche Lösung des Problems bisher nicht erfolgt. Ein kürzlich vorgelegtes Gutachten unterstützt jedoch die Forderungen nach einer gesetzlichen Verankerung von Ausstattungsstandards und damit auch nach neuen Finanzierungsregelungen als Voraussetzung für deren Realisierung. Das macht Hoffnung, erfordert aber noch erheblichen Abstimmungsbedarf zwischen Land, Bezirken, Trägern und Kindern und Jugendlichen und letztendlich auch den politischen Willen, es umzusetzen. Dafür wollen wir uns als LINKE in Berlin einsetzen.