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Wahlprüfstein
 

Musikschulen

Bündnis zur Förderung der öffentlichen Berliner Musikschulen e.V.

1.
Verbindliche Qualitätsstandards:
Die Ausbildungsqualität der 12 bezirklichen Musikschulen ist sehr unterschiedlich. Sind Sie an messbaren Aussagen zur Qualität der Arbeit der Musikschulen sowie an qualitativem Wettbewerb interessiert? Wenn ja:
a. Welche Qualitätsstandards können Sie sich vorstellen?

DIE LINKE. Berlin unterstützt den Aufbauplan „Qualitätssicherung Berliner Musikschulen“, der durch den Musikschulbeirat vorgelegt wurde und war über ein Mitglied der Fraktion DIE LINKE. im Abgeordnetenhaus an der Beratung und Erarbeitung beteiligt.

Das erforderliche Leistungs- und Qualitätsniveau der Berliner Musikschulen kann nur über eine Verstärkung festangestellter Lehrkräfte und eine höhere und gesicherte Finanzmittelzuweisung gewährleistet werden.

Die Einbindung in Betriebsabläufe, Weisungsbindung, Teilnahmeverpflichtung an Konzerten, bezirklichen Veranstaltungen und Wettbewerben auf bezirklicher, Landes-, Bundes- und internationaler Ebene sind qualitative Grundbedingungen von Musikschularbeit.

Musikschulleitungen müssen gemeinsame neue Planungen und die dafür erforderlichen Arbeitsbedingungen mit den Lehrkräften entwickeln können.

Die soziale Absicherung von Lehrkräften muss gesichert sein, denn nur dann können Lehrkräfte sorgenfrei engagiert arbeiten.

Die Kosten-Leistungsrechnung wirkt der Qualitätsentwicklung in den Musikschulen z.T. entgegen und gehört auf den Prüfstand.

Musikalische Bildung erfüllt einen Bildungsauftrag, ist damit Pflichtaufgabe und muss entsprechend ausgestattet werden.

Qualitätsprüfsteine müssen u.a. die Zugangsmöglichkeiten für alle, unabhängig von der sozialen Herkunft (Sozialtarife für kulturelle Teilhabe für alle) und die enge Vernetzung mit anderen Bildungseinrichtungen wie KiTa und Schule sein.

Außerdem gibt es Qualität in der Ausbildung nur

  • wenn ein umfassendes und breitgefächertes Instrumental- und Vokalangebot vorgehalten wird,
  • es ein breites Angebot an Musikensembles gibt,
  • eine dem Ziel des Unterrichts entsprechende qualitative Ausstattung an Instrumenten und an Übungsräumen existiert.

b. Sollten verbindliche Qualitätsstandards entwickelt werden?

Ja.

c. Wer sollte diese Standards entwickeln und wer sollte diese Entwicklung beauftragen?

Die Standards sollte eine Arbeitsgruppe des Senates mit Unterstützung durch den Musikschulbeirat erarbeiten. Die Beauftragung sollte über die Senatsverwaltung für Bildung erfolgen.

2.
Ausstattung mit Festangestellten:
Damit die Musikschulen langfristig planbar ihren Bildungsauftrag erfüllen und sich besser auf die großen Veränderungen in Berlin einstellen können, gilt es nach jahrzehntelangen alternativen Erfahrungen als gesichert, dass es hierzu einer Mindestausstattung mit festangestellten Lehrkräften bedarf.
a. Teilen Sie diese Auffassung?

Ja.

b. Die Senatsverwaltung für Bildung hat eine Ausstattung mit mindestens 20 Prozent festangestellten Lehrkräften vorgeschlagen – teilen Sie diese Einschätzung oder halten Sie einen anderen Prozentsatz für richtig?

Eine Mindestausstattung mit 20% an festangestellten Lehrkräften muss der erste Schritt sein, der in der nächsten Legislatur (2016 – 2021) erreicht werden muss. Das gehört nach Auffassung der LINKEN in einen Koalitionsvertrag.

Langfristig streben wir die Erfüllung der Empfehlung des VdM (Verband Deutscher Musikschulen e.V.) an: 80% Festangestellte, 50% der Lehrkräfte mit einem Anstellungsumfang über 50%.

c. Werden Sie einen entsprechenden Antrag in das Abgeordnetenhaus einbringen oder mittragen?

Ja.

3.
Bezahlung von Honorarlehrer/innen: Der Honorarsatz pro Musikstunde beträgt 22,27 €.
Halten Sie diesen vor dem Hintergrund des hohen Ausbildungsniveaus sowie der großen pädagogischen Verantwortung für angemessen? Wenn nicht, für welchen Honorarsatz wollen Sie auf welchem Weg eintreten?

Nein, diese Honorarsätze führen direkt in die Altersarmut. Prekäre Beschäftigung im Auftrag des Landes Berlin gehört abgeschafft!

Honorarlehrkräfte müssen einen Honorarsatz erhalten, der ihrer Qualifikation entspricht und von dem sie sorgenfrei leben können. Ver.di sieht eine faire Stundenentlohnung bei 37,27 Euro gegeben, diesen Satz streben wir an und dafür muss ein Stufenplan erarbeitet werden.

4.
Zentrale oder dezentrale Organisation der Musikschulen:
a. Halten Sie die Organisation der Musikschulen als eine von vielen Organisationseinheiten in den Bezirken noch für zeitgemäß? Wenn ja, welche Vor-und Nachteile sehen Sie hier?

Nicht zeitgemäß ist, dass mögliche „Synergien durch zentral organisierte Arbeit“ verhindert werden.

Außerdem gibt es Benachteiligungen von finanzschwachen Bezirken, die ihre Musikschulen nicht angemessen ausstatten können.

Unterschiedliche Beitragszahlungen durch Musikschüler*innen in den einzelnen Bezirken sind ebenfalls ungerecht.

Der Vorteil für Bezirke ist, dass Überschüsse, die in ihren Musikschulen erwirtschaftet werden, frei im Bezirk verwandt werden. Bezirke decken damit

Haushaltsrisiken in anderen Bereichen ab. Dabei bleibt eine notwendige Verbesserung der Ausstattung der Musikschulen aber oft auf der Strecke.

b. Sollten die Musikschulen zu mehreren bezirksübergreifenden Musikschulen oder sogar zu einer Landesmusikschule zusammengefasst werden? Wenn ja, welche Organisationsform bevorzugen Sie hier?

Da der Rat der Bürgermeister und die Bezirksstadträte eine Landesmusikschule ablehnen, wird sie nicht zustande kommen.

Was gelingen sollte, wäre eine überbezirkliche Schaffung von zentral verwalteten Aufgaben wie z.B. Öffentlichkeitsarbeit, um Synergien zu nutzen. Das muss unbedingt mit den Bezirksvertreter*innen aus den BVV und den Bezirksämtern diskutiert werden.

5.
Integrationsfördernde und inklusive Angebote:
Sollen die Musikschulen verstärkt Angebote zur Integration von Geflüchteten, für andere kulturelle Minderheiten sowie für Menschen mit Behinderungen in der Stadt entwickeln und bereitstellen? Wenn ja, wer soll dafür die zusätzlichen Mittel bereitstellen?

Ja.

Für Geflüchtete müssen die Mittel durch das Land Berlin und durch das Bundes-Sonderprogramm für die Integration für Geflüchtete bereitgestellt werden. Die inklusive Bildung ist Handlungsauftrag, seit die Bundesrepublik die UN-Behinderten- Konvention unterzeichnet hat. Die Inklusive Musikschule muss verwirklicht werden und die dafür notwendigen personellen, sächlichen und räumlichen Mittel durch Land und Bund bereitgestellt werden.

6.
Kooperationen mit allgemeinbildenden Schulen:
Sollen Musikschulen stärker mit allen Schulformen kooperieren? Wie können hierfür verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden?

Ja. Das Schulgesetz für Berlin schreibt im § 124, Abs. 6 übrigens genau dies vor. Dazu müssen für die Musikschulen aber auch die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen werden, besonders personell und sächlich. Auch in den Schulen müssen die organisatorischen und räumlichen Bedingungen geschaffen werden. Die Rahmenbedingungen dazu müssen über den Senat in Zusammenarbeit mit den Bezirken festgelegt und nachhaltig gesichert werden.

7.
Die Forderung nach einem Rechtsanspruch auf einen Musikschulplatz ist umstritten:
Soll es zukünftig – ähnlich wie im Bereich der Kinderbetreuung – einen solchen Rechtsanspruch für Kinder und Jugendliche parallel zur schulischen Ausbildung geben?

In einigen Bezirken gibt es Wartelisten für Musikschulplätze. Warten über mehrere Jahre darf es hier nicht geben. Außerdem muss ein vollständiges Angebot nach dem Strukturplan des VdM die Zielstellung sein und zugleich Flexibilität für bedarfsgerechte Anpassung ermöglicht werden. Auch hier würde, gerade für Jugendliche und lebensältere Menschen, eine bezirksübergreifende Zusammenarbeit und zentrale Erfassung für eine Bedarfssteuerung förderlich sein. Das Recht auf Bildung schließt das Recht auf lebenslanges Lernen ein und gilt auch für die musikalische Bildung. Die gesetzliche Regelung für einen Rechtsanspruch darauf muss diskutiert werden und ist für uns eine Zielstellung.