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Gemeinschaft der Förderer von Tierpark Berlin und Zoo Berlin e.V.

Zoologische/Tiergärtnerische Einrichtungen

1.
Wie bewerten Sie die Bedeutung von zoologischen bzw. tiergärtnerischen Einrichtungen/Institutionen im Allgemeinen für die Gesellschaft?

Sie sind in erster Linie notwendige Einrichtungen der Bildung, da sie auf engem Raum und unabhängig vom eigentlichen Lebensraum der Tiere dem Menschen Erkenntnisse über die Vielfalt der Arten aufzeigen können. Sie können durch die kompakte Kompetenzbündelung (Theorie und Praxis) einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz der Wildtiere aber auch an Hand der durch Menschen gezüchteten Haus- und Nutztiere einen Beitrag zur Vermittlung von Kulturgeschichte leisten. In Verbindung mit gärtnerischen Anlagen sind verbesserte Rahmenbedingungen für die Haltung der Wildtiere in Gefangenschaft möglich, daher ist der Nutzen und die Bedeutung von tiergärtnerischen Einrichtungen höher als der zoologischen Einrichtungen.

2.
Wie werden Sie bei Veränderungen von gesetzlichen Haltungsbedingungen die zoologischen bzw. tiergärtnerischen Einrichtungen einbinden?

Die gesetzlichen Haltungsbedingungen von Tieren in zoologischen bzw. tiergärtnerischen Einrichtungen sind keine länderspezifische Angelegenheit, dadurch sind bundeseinheitliche und auch gesamteuropäische Lösungen anzustreben. Bei den gesetzlichen Haltungsbedingungen müssen die natürliche Lebensweise der jeweiligen Tierart im Vordergrund stehen und die Sicherheit der Menschen im Kontakt mit den Tieren beachtet werden. In jedem Fall unterstützt DIE LINKE eine gleichberechtigte Zusammenarbeit von Fachexperten unter Einbindung der zoologischen bzw. tiergärtnerischen Einrichtungen bei notwenigen Veränderungen von gesetzlichen Haltungsbedingungen von Tieren.

3.
Welchen Stellenwert haben zoologische bzw. tiergärtnerische Einrichtungen/Institutionen für Sie zukünftig in unserer Gesellschaft?

Auch wenn durch die Möglichkeiten des weltweiten Reisens viele Tiere heute schon in ihrer natürlichen Umgebung beobachtete werden können und zahlreiche Medien über Tiere zusammengetragen wurden, bleiben die zoologischen bzw. tiergärtnerischen Einrichtungen/Institutionen wichtige Orte der Begegnung mit und der Wissensaneignung über Tiere auf komprimiertem Raum notwendige Einrichtungen für das Verstehen von Zusammenhängen in der Natur (Lebensräume, Nahrungsketten, Fortpflanzungsarten, Verhaltensweisen …) und den Artenschutz.

4.
Welche Bedeutung haben zoologische bzw. tiergärtnerische Einrichtungen für Sie im Artenschutz?

Zoologische bzw. tiergärtnerische Einrichtungen bündeln die Fachkompetenz, können Aufzucht- und Auswilderung von Wildtieren unterstützen und beschlagnahmte illegal gehandelte Tiere artgerecht pflegen und halten.

Durch ihren Bildungsauftrag sind sie in der Lage bei der Wissensvermittlung und Wertevermittlung über das Leben und die Lebensweise von Tieren eine positive Grundstimmung im Zusammenleben von Menschen und Tieren auf der Erde zu unterstützen, eine wichtige Voraussetzung für den Artenschutz.

Gemeinsam mit anderen Einrichtungen (u.a. Tiermedizin, Natur- und Tierschutzstationen) können Präventionsmaßnahmen für den Erhalt von Tierarten erarbeitet werden. Der weltweite Austausch von Informationen und Tieren trägt wesentlich zur wirksamen Einschränkung von Wildentnahmen aus der Natur bei (Zuchtbücher).

5.
Glauben Sie, dass zoologische bzw. tiergärtnerische Einrichtungen sich ausschließlich als gewinnerzielende Unternehmen verstehen müssen?

Nein, da es nicht im gesamtgesellschaftlichen Interesse sein kann, wenn reine Marktinteressen im Vordergrund für den Betrieb dieser Einrichtungen stehen würden. Es gibt auch Beispiele, wie zoologische bzw. tiergärtnerische Einrichtungen als kommunale Einrichtungen geführt werden.

Zoo Berlin und Tierpark Berlin

1.
Welche Bedeutung haben die beiden Hauptstadtzoos für Berlin?

Neben der allgemeinen Bedeutung von zoologischen bzw. tiergärtnerischen Einrichtungen kommen bei den beiden Hauptstadtzoos für Berlin die historische und kulturelle Bedeutung hinzu.

2.
Ist es sinnvoll, dass Berlin zwei zoologische Einrichtungen hat?

Ja. Durch die unterschiedliche Struktur der Einrichtungen und die unterschiedlichen Angebote für die jeweiligen Besuchergruppen ergänzen sie sich hervorragend und können so auch durch die räumliche Entfernung voneinander viele Berlinerinnen und Berliner aber auch Gäste der Stadt erreichen.

3.
Wie stellen Sie sich in zehn Jahren die Zukunft der Hauptstadtzoos vor?

Der Berliner Zoo behauptet sich als Besuchermagnet für Touristen aus aller Welt, die Anlagen der Tiere haben ihre Flächen den Bedürfnissen der Tiere weiter angepasst. Für alle Bevölkerungsschichten bezahlbar, familienfreundlich und als Aushängeschild für ein außerschulisches Bildungszentrum stellt sich der Tierpark in Friedrichsfelde dar. Mit besserer Verkehrsanbindung im nördlichen Bereich an der Straße Alt-Friedrichsfelde und auch mit einer zusätzlichen U-Bahnstation bietet er den Tierfreunden und auch den Pflanzenfreunden in jeder Jahreszeit (Themenwochen) interessante Einblicke in die Vielfalt der Arten.

4.
Wo sehen Sie jeweils die Alleinstellungsmerkmale vom Zoo Berlin und vom Tierpark Berlin und wie wollen Sie diese absichern?

Zoo Berlin: besteht seit 1844 in Innenstadtlage, Aktiengesellschaft, Tierhäuser mit denkmalgeschützter Architektur, stark verdichtete und trotzdem abwechslungsreiche Tiergehege, hoher Tierbestand, 3 Mio. Besucher pro Jahr

Tierpark Berlin: Parkanlage mit Schloss von Peter Joseph Lenné gestaltet,1955 eröffnet, mit großem ehrenamtlichen Engagement und Mitteln aus dem Nationalen Aufbauwerk der DDR errichtet, große Pflanzenvielfalt und Tiergehege und gitterlose Anlagen für Tiere.

Die Absicherung der Alleinstellungsmerkmale ist Sache der Träger. Zum Erhalt der Denkmalgeschützten Anlagen, des Waldbestandes und der Flächen insgesamt sind Förderprogramme vorhanden.

5.
Wie bewerten Sie die vorliegenden Ziel- und Entwicklungspläne für die beiden Hauptstadtzoos?

Insgesamt bewerten wir die Pläne positiv, da sie den Bestand beider Einrichtungen für die Stadt sichern wollen und auf ergänzende, weniger konkurrierende Aspekte ausgelegt sind. Noch zum Tierpark Berlin: Ende 2015 wurde ein Plan vorgestellt, besser wäre natürlich gewesen, wenn auch die Erarbeitung gemeinsam mit den Berlinerinnen und Berlinern erfolgt wäre. Die thematische Neuordnung bietet eine bessere Übersichtlichkeit. Die inneren Verkehrslösungen werden die Erlebbarkeit beschleunigen, aber auch die Erholung im Park selbst erschweren. Insgesamt sollen die Investitionen mehr Besucherinnen und Besucher anziehen, den Betrieb der Anlagen effizienter machen (energetische Sanierungsmaßnahmen) und so die Finanzierbarkeit des Betriebes der Anlagen erleichtern.

6.
Welche Bedeutung haben Zoo und Tierpark für den Wirtschaftsstandort Berlin?

Für die breite Tourismusbranche sind beide Standorte wichtige Standbeine in der Stadt. Sie sind auch Arbeitsplatzgaranten für die Futtermittelhersteller.

7.
Wie würden Sie die touristische Erschließung von Tierpark und Zoo fördern?

Der Zoo ist mit vielen Verkehrsmitteln sehr gut erschlossen. Für den Tierpark wären zwei neue zusätzliche Eingänge im Westen an der Straße Alt-Friedrichsfelde und im Nord-Osten Richtung Biesdorf als neue U-Bahnstation (gleichzeitig für die Erschließung von Karlshorst-Ost, das als Wohnstandort noch weiter an Einwohnerzahl gewinnen wird) von Vorteil, deshalb sind hier zukünftig gemeinsame Planungen voranzutreiben.

Zoo und Tierpark – Erholung und Freizeit

1.
Wie bewerten Sie den Erholungs- und Freizeitwert der beiden Hauptstadtzoos für die Berlinerinnen und Berliner?

Zoologische und tiergärtnerischen Einrichtungen sind allgemein und jeweils auf eigene Art und Weise von Wert für Erholung und Freizeit. Das gilt auch für beide Berliner Einrichtungen. Der Tierpark ist als Tagesausflugsziel sehr gut für die Erholung geeignet, wenn man sich auf lange Wege einlassen will und die Selbstverpflegung gut geplant ist. Für Kinder sind allerdings noch einige Attraktionen notwendig.

2.
Wie können Sie sich eine Förderung des Erholungs- und Freizeitwerts von Zoo Berlin und Tierpark Berlin in Zukunft vorstellen?

Dort, wo aus der Analyse der Grünflächenversorgung für Menschen in angrenzenden Wohngebieten eine Unterversorgung aufweist, sind Überlegungen zur Verbesserung der Nutzungsmöglichkeit der Anlagen des Zoo Berlin und Tierpark Berlin sinnvoll. Eine Förderung durch das Land Berlin könnten für diese Menschen durch einen finanziellen Ausgleich für Eintrittsgelder geleistet werden. Zusätzlich können Zahlungen für den Erhalt und die Pflege von Grünanlagen an den Tierpark Berlin ausgereicht werden, analog den Leistungen für die Parkanlagen, die durch die Grün Berlin GmbH gepflegt und unterhalten werden.

Eine »gesonderte« Förderung des Erholungs- und Freizeitwerts von Zoo und Tierpark durch das Land ist nicht erforderlich. Die (weitere) Steigerung dieser Werte obliegt den Einrichtungen selbst, die Zuschüsse des Landes (für den Tierpark) müssen auch diese Aspekte einschließen.

3.
Welche Bedeutung bemessen Sie Zoo und Tierpark für das Stadtklima bei?

Die Bedeutung der beiden Einrichtungen für das Stadtklima ist in dem Stadtentwicklungsplan Klima dokumentiert. Der Zoo in der Innenstadt hat mit seiner geringen Größe und der Vielzahl von Gebäuden keine große Bedeutung für das Stadtklima. Für das Bioklima am Ort selbst ist der Baumbestand wichtig.

Der Tierpark in Friedrichsfelde weist Waldbereiche aus, die in ihrer Größe sehr wirksam für das Stadtklima sind. Belüftungsbahnen an der angrenzenden Bahntrasse werden unterstützt und mit Frischluft angereichert. Der hohe Anteil von unversiegelter Fläche nutzt dem Wasserhaushalt der Stadt.

4.
Welche Bedeutung haben für Sie die beiden Hauptstadtzoos als Naherholungsgebiet und wie können Sie sich eine finanzielle Beteiligung des Landes Berlin am Erhalt und an der Pflege der Grünflächen vorstellen?

(siehe dazu die Antwort zu 2. in diesem Abschnitt)

5.
Welche Erwartungen haben Sie an die Hauptstadtzoos als Ort der Erholung und Freizeit?

Um als Orte der Erholung und Freizeit für alle Berlinerinnen und Berliner wirksam zu sein, ist eine zielgruppengenaue und soziale Ausrichtung der Eintrittsgelder unerlässlich. Hier muss gerade nach der Preisumstellung 2016 nachgebessert werden.

Die Anlagen und Tierbestände sind in einem sehr guten Zustand zu erhalten. Natur- und Tierschutzaspekte sollen in jeder Hinsicht beachtet werden. Nur wenn es den Tieren auch sichtlich gut geht, stellt sich ein Erholungseffekt ein.

Die Wegeführungen müssen behindertengerecht und leicht verständlich sein. Moderne Kommunikationsmittel und traditionelle Informationssysteme sollen eine klare Orientierung in den Einrichtungen ermöglichen. Attraktionen und Ruhepole sollen sich gut ergänzen, dazu gehört auch ein gutes Angebot an Ver- und Entsorgungsinfrastruktur. Thematische Veranstaltungen sollen Hohepunkte aber auch Regelmäßigkeit bieten.

Zoo und Tierpark – Bildung

1.
Welche Bedeutung haben der Zoo Berlin und der Tierpark Berlin für Sie als Bildungsstätte?

Der Zoo Berlin und der Tierpark Berlin haben für die LINKE eine hohe Bedeutung als außerschulische Bildungsstätten, da sie durch gute Informationssysteme über Flora und Fauna in kompakter Art und Weise Wissen vermitteln können.

Zudem sind beide Einrichtungen praxisbezogene Ausbildungsstätten für junge Fachkräfte und arbeiten mit anderen Bildungseinrichtungen zusammen.

2.
Wie können Sie sich eine finanzielle Unterstützung der Bildungsarbeit von Zoo und Tierpark vorstellen?

Eine »gesonderte« Förderung der Bildungsarbeit von Zoo und Tierpark durch das Land ist nicht erforderlich. Außerschulische Bildung ist bereits Bestandteil des Bildungsetats und ist hinsichtlich Inhalt und Ausrichtung auch für die Bildungsarbeit in Tierpark und Zoo zu verstetigen. Die (weitere) Entwicklung dieser Arbeit obliegt den Einrichtungen in erster Linie selbst, da sie die Räumlichkeiten vorhalten sowie die inhaltliche Ausrichtung an Hand des Bestandes (Tiere aber auch Pflanzen) und der Fachkompetenz bestimmend prägen. Bei Zuschüssen des Landes (für den Tierpark) müssen auch diese Aspekte einschließen. Über die Notwendigkeit einer finanziellen Unterstützung für die pädagogische Arbeit bei der Wissensvermittlung ist gemeinsam an Hand von konkreten Konzepten für verschiedene Altersgruppen zu befinden.

3.
Welche weiteren Möglichkeiten sehen Sie, um die Bildungsarbeit der Hauptstadtzoos zu unterstützen?

Die Angebote der Einrichtungen von mehrtägigen Projekten bis zur thematischen Unterrichtsstunde sollten alle Schulen und Kitas nutzen können, daher ergibt sich je nach Aufwand eine Aufwandsentschädigung für die Einrichtungen, die sowohl aus dem Landeshaushalt aber auch von Dritten getragen werden können. Ein wichtiger Aspekt ist die Beibehaltung der Einrichtungen als Einsatzstellen für das Freiwillige Ökologische Jahr, da viele junge Menschen gerade durch die Arbeit in der Zoo- bzw. Tierparkschule Klarheit über ihren beruflichen Werdegang gefunden haben. Dafür wird sich auch die Linke weiterhin einsetzen. Denkbar sind darüber hinaus neue Regelungen zur Verwendung von Lotto-Mitteln oder von Gerichten verhängten Geldstrafen aus Tierschutzverstößen.

4.
Welche Erfahrungen haben Sie mit der Bildungsarbeit der beiden Hauptstadtzoos? Welche zukünftigen Erwartungen haben Sie an die beiden Hauptstadtzoos als Ort der Bildung?

Neben der sehr guten Arbeit der Zoo- und Tierparkschulen, der Angebote für Tierpaten und den Beteiligungen an den Aktionen zum Langen Tag der StadtNatur sind die Möglichkeiten insbesondere der thematischen Führungen ausbaubar (z.B. über Nahrungsmittel für Tiere in zoologischen Einrichtungen, Austausch- und Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen). Die Arbeit mit den Schulen sollte dem hohen Bedarf angepasst werden, dazu ist ein Jahresplan mit der Senatsverwaltung für Bildung abzustimmen, der grundsätzlich allen Berliner Schülerinnen in ihrem Bildungsweg den Aufenthalt in den Einrichtungen ermöglicht.

Zoo und Tierpark – Kultur

1.
Sehen Sie Zoo und Tierpark auch als einen Ort der Kultur?

Ja, durch verschiedene Veranstaltungen, historische Gebäude und Denkmale sowie Skulpturen aus mehreren Zeitabschnitten der deutschen Geschichte sind sie auch Orte der Kultur.

2.
Welche kulturhistorische Bedeutung haben die beiden Hauptstadtzoos für Sie?

1844 – Eröffnung des Zoos, Entwicklung von der Menschenausstellung bis zur Vertreibung von jüdischen Teilhabern, Konservierung des Kolonialsystems in der Gebäudearchitektur.

1955 – Öffnung des Tierparks als kommunale Einrichtung, die Privatisierung nach 1990 hat zu dem auch die gesellschaftlichen Bedingungen beleuchtet unter denen der Tierpark betrieben wurde und wird.

3.
Wie konnten Sie sich eine weitergehende Förderung der kulturellen Arbeit der beiden Hauptstadtzoos vorstellen?

Eine »gesonderte« Förderung der kulturellen Arbeit von Zoo und Tierpark durch das Land ist nicht erforderlich. Die (weitere) Entwicklung dieser Arbeit obliegt den Einrichtungen selbst, die Zuschüsse des Landes (für den Tierpark) müssen auch diese Aspekte einschließen.

4.
Welche Erwartungen haben Sie an die Hauptstadtzoos als kulturelle Orte?

Sie reihen sich ein in die Angebote der Stadt und spiegeln die Geschichte und Gegenwart insbesondere der Haltung von Wildtieren in menschlicher Obhut wieder. Sie nutzen ihre Möglichkeiten (Parkanlagen, historische Gebäude) für zusätzliche Angebote (Vorträge, Konzerte, Ausstellungen).

Zoo und Tierpark – Wissenschaft/Forschung

1.
Wie bewerten Sie die wissenschaftliche Bedeutung der Hauptstadtzoos?

Zoo und Tierpark sind Bestandteil der Wissenschafts- und Forschungslandschaft Berlins wie sich z.B. an Aus und Weiterbildung von Tierpflegern bis Tierärzten zeigt.

2.
Mit welchen wissenschaftlichen Einrichtungen könnten Sie sich eine Vernetzung vorstellen und wie würden Sie diese fördern?

Es bestehen ja u.a. mit Universitäten, Hochschulen, dem Naturkundemuseum und dem Institut für Wildtierforschung schon gute Erfahrungen in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit im Land Berlin. Für eine gute Vernetzung sind auch in Berlin alle Voraussetzungen gegeben. Aus Sicht der LINKEN sind Initiativen zur weiteren Vernetzung Sache der jeweiligen Beteiligten. Das Land Berlin kann die weitere Vernetzung ideell unterstützen, dazu sind auch Verträge mit Partnerstädten zu nutzen.

3.
Welches Gewicht haben die Hauptstadtzoos im Wissenschaftsstandort Berlin aus Ihrer Sicht?

Es ist eine gute Grundlage für die Wissenschaft, wenn Orte der Theorie und der Praxis nahe beieinanderliegen, daher sind die Hauptstadtzoos wichtig für den Wissenschaftsstandort Berlin.

Zoo und Tierpark – Natur- und Artenschutz

1.
Welche Bedeutung haben für Sie der Zoo Berlin und der Tierpark Berlin im Natur und Artenschutz?

Zoo und Tierpark sind durch den unmittelbaren Kontakt zu den einzelnen Arten wichtige Partner im Natur- und Artenschutz. Sie sind Wissensvermittler und Aktive zugleich. Programme zur Arterhaltung und Auswilderung von Tieren sollen auch künftig Beachtung finden.

2.
Wie würden Sie die Natur- und Artenschutzarbeit der Hauptstadtzoos ideell und finanziell fördern?

Durch das Naturschutzgesetz sind alle angehalten sich für den Natur- und Artenschutz zu engagieren. Besondere Förderung sind also nur für besondere Leistungen möglich, wenn zusätzliche Ziele erreicht werden sollen. Bei der Öffentlichkeitsarbeit über diese Leistungen und Beitrage der Einrichtungen für den Natur- und Artenschutz kann es eine bessere Verzahnung mit Einrichtungen des Landes geben. Diese Möglichkeiten können sowohl in Gremien des Tierschutzes (u.a. Tierschutzforum) wie des Naturschutzes (u. a. Stiftung Naturschutz Berlin) ausgelotet werden.

3.
Welche Erwartungshaltungen haben Sie an die Natur- und Artenschutzarbeit der beiden Hauptstadtzoos?

Die Information über und Erlebbarkeit der Natur- und Artenschutzarbeit sollte wesentlicher Bestandteil der Informationen vor den Tiergehegen sein. Da es sich beim Tierpark auch um einen Landschaftspark handelt, ist hier die Flora mit einzubeziehen. Berlin hat eine Strategie der biologischen Vielfalt, die zur Umsetzung noch Maßnahmen entwickeln kann. Hier könnten die Hauptstadtzoos wesentliche Akteure sein.

Zoo und Tierpark – finanzielle Förderung

1.
Der Zoo Berlin erhält gegenwärtig keine Zuwendungen vom Land Berlin. Könnten Sie sich vorstellen, dass das Land Berlin wieder eine Zuwendung jährlich zahlt, wenn der Zoo Berlin aus wirtschaftlicher Sicht darauf angewiesen wäre?

Sollte der Zoo Berlin in eine wirtschaftliche Schieflage geraten, muss das Abgeordnetenhaus wegen der Bedeutung dieser Einrichtung für die Stadt (siehe oben) auch Zuwendungen aus dem Landeshaushalt prüfen.

2.
Der Tierpark Berlin erhält jährlich einen Betriebskostenzuschuss. Wie sollte sich dieser Betriebskostenzuschuss in den nächsten Jahren gestalten?

Der Zuschuss an den Tierpark Berlin ist kein reiner »Betriebskostenzuschuss«. Er enthält auch Festkosten, investiv gebundene Mittel und den Ersatz von Ausgaben. Der Zuschuss ist in den letzten Jahren deutlich gesteigert worden und muss erhalten bleiben, bis die Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung (Stichwort Ziel- und Entwicklungsplanung) greifen und eine schrittweise Absenkung des Zuschusses ermöglichen.

3.
Zusätzlich zum Betriebskostenzuschuss erhält der Tierpark Berlin Investitionszuschüsse. Wie sollten sich diese in den kommenden Jahren gestalten und welche Erwartungen verbinden Sie damit?

Wir erwarten mit dem schrittweisen Ausbau der investiven Zuschüsse eine zügige und konsequente Umsetzung des Masterplans.

4.
Würden Sie für eine dauerhafte und langfristige Absicherung des Tierparks einen Zuwendungsvertrag unterstützen?

Ja. Dieser Zuwendungsvertrag soll die Nutzung, den Erhalt und die Entwicklung der Grünflächen sichern und die schulischen bzw. außerschulischen Lernorte unterstützen. Zusätzlich ist zu prüfen, inwieweit Aufgaben der amtlichen Tiersammelstelle bei Nutztierarten, tierärztliche Maßnahmen für in Berlin verletzte Wildtiere und Kooperationen mit anderen Einrichtungen (auch sozialen) in einem Zuwendungsvertrag Berücksichtigung finden können.

5.
In den letzten Jahren ist immer wieder eine Veräußerung von Flächen des Tierparkgeländes diskutiert worden. Unterstützen Sie die Forderung nach Veräußerung?

Grundsätzlich soll sich am Charakter des Landschaftstiergartens nichts ändern, daher ist jede Flächennutzungsänderung zu hinterfragen. Ohne ein hinreichendes Entwicklungskonzept für die Flächen und die Darlegung von Zielen sollen keine Flächen aus den Tierpark herausgelöst und veräußert werden. Grundsätzlich hat die Sicherung von Infrastruktureinrichtungen einschließlich Grün- und Erholungsflächen für den Stadtraum Vorrang vor der Vermarktung von Flächen an private Investoren.

Wir halten eine Veräußerung von nicht betriebsnotwendigen Flächen für denkbar, wenn die Erlöse vollständig dem Tierpark zugutekommen.

6.
Könnten Sie sich ein Schwimm- bzw. Freizeitbad auf bisher tierparkeigener Fläche vorstellen? Wenn ja, welchen Mehrwert sehen Sie für den Tierpark?

Nein. Standorte für Schwimm- und Freizeitbäder sind an den Bedürfnissen der Berlinerinnen und Berliner auszurichten und nicht nach dem Angebot möglicher »nicht betriebsnotwendiger Flächen« anderer Einrichtungen in der Stadt.

7.
Welche infrastrukturellen Förderungen können Sie sich weiterhin für den Tierpark vorstellen?

Über die Gewährung von Zuschüssen einschließlich der Bereitstellung europäischer Fördermittel hinaus sind keine infrastrukturellen Förderungen allein für den Tierpark erforderlich. Die Förderung kann jedoch in Form von Kooperationen mit landeseigenen Unternehmen erfolgen, mit dem Ziel notwenige infrastrukturellen Leistungen zu planen und abzusichern.

Zoo und Tierpark – Orte des bürgerschaftlichen Engagements

1.
Welchen Stellenwert hat bürgerschaftliches/ehrenamtliches Engagement für Sie in der Gesellschaft?

Viele Berlinerinnen und Berliner engagieren sich freiwillig in ihrer Nachbarschaft, in Pflegeeinrichtungen, Vereinen, Bürgerinitiativen, Selbsthilfegruppen, im Kulturbereich, in Seniorenvertretungen und bei der Unterstützung der geflüchteten Menschen. Dieses unverzichtbare Engagement ist wichtig für ein gutes Miteinander und gibt Anstöße für die Weiterentwicklung unseres Gemeinwesens. Doch das Ehrenamt ist nicht dazu da, staatliches Handeln zu ersetzen. Umgekehrt ist es richtig: Hauptamtlichkeit ist das Rückgrat für ehrenamtliches Engagement. Und das wollen wir durch ein Bündel von Maßnahmen fördern. Dazu zählen Weiterbildungsangebote und professionelle Begleitung und Aufwandsentschädigungen wie z.B. Fahrkarten.

2.
Welche Bedeutung hat für Sie das Engagement der Fördergemeinschaft von Tierpark Berlin und Zoo Berlin e.V. für die beiden Hauptstadtzoos?

Wir schätzen dieses Engagement hoch ein. Es ist Ausdruck für den unermüdlichen Wunsch aus der Stadtgesellschaft die beiden Hauptstadtzoos für die Berlinerinnen und Berliner zu erhalten und noch attraktiver zu gestalten.

Was würden Sie den Hauptstadtzoos auf den Weg geben?

In erster Linie sollen sich beide Hauptstadtzoos verantwortungsvoll und nachhaltig weiter um die ihnen anvertrauten Tiere kümmern. Sie sollen sich als Teil der Stadt verstehen und in die Stadt hineinwirken sowie auf internationaler Ebene mit ihren Einrichtungen und den Beschäftigten für den Tier- und Artenschutz in Berlin werben.

Die Linke erwartet darüber hinaus eine gute Zusammenarbeit mit Berliner Vereinen und Verbänden, die sich dem Tier- und Artenschutz verpflichtet fühlen, um Synergien auszuloten und für den Erhalt und die Entwicklung der biologischen Vielfalt zu nutzen. Neben der kooperativen Zusammenarbeit mit der Fördergemeinschaft von Tierpark Berlin und Zoo Berlin e.V. erwartet die Linke von der Betriebsleitung der Einrichtungen eine transparente Berichterstattung über die Arbeit an der Umsetzung der Ziel- und Entwicklungsmaßnahmen. Beide Einrichtungen sollen Vorzeigebetriebe mit fairen Arbeitsbedingungen und Ausbildungsplätze sein.