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21. April 2012Basiskonferenz DIE LINKE. Berlin

Miteinander wachsen!

Parteileben und politische Bildung

Partei ist mehr, als miteinander zu streiten. Partei ist auch die gemeinschaftliche Aneignung von Wissen und Erfahrungen. Sie ist gelebte Solidarität und Kultur. Wie organisieren die Partei, in der die Mitglieder lernen wollen und können? 

21. April 2012Basiskonferenz DIE LINKE. Berlin

Arbeitsgruppe Parteileben politische Bildung

ca. 50 TeilnehmerInnen
Moderation: Katrin Möller, Stellvertretende Landesvorsitzende,
Protokoll: Marina Richter-Kastschajewa

I. Parteileben:

Katrin Möller, MdA, Pankow berichtet über die neu arbeitende Frauenstruktur im Landesverband: Frauenstammtisch; trifft sich monatlich in der Kulturbrauerei, offene Veranstaltung mit wechselnden Teilnehmerinnen, ein Stamm von 20 bis 30 Frauen. Es werden Projekte skizziert, angeschoben, nicht immer umgesetzt.
Aus dieser Struktur bildete sich eine LAG mit einem Koordinatorinnenteam, es experimentiert viel. Die Treffen sind zweigeteilt. Erster Teil nach Tagesordnung, welche auf der davorliegenden Sitzung festgelegt wurde, und zweiter Teil offen, lockere Gespräche, Wohlfühlfaktor.

Regina Kittler, MdA, Marzahn-Hellersdorf
Projekt Literaturfahrten
Überlegung: Wir machen zu wenig Kunst und Kultur. Was wäre ein gemeinsames Kulturerlebnis, ohne dass die Politik außen vor bleibt?
Seit einigen Jahren finden zweimal jährlich Literaturfahrten statt mit einer Übernachtung, alles ehrenamtlich organisiert (Bus, Unterkunft, Veranstaltungsangebote).
Zum Beispiel Fahrt nach Golzow: Treffen mit Familie Junge; Lesung aus „Die Kinder aus Golzow“ (filmische Langzeitdokumentation über die Schüler einer Schulklasse aus dem brandenburgischen Golzow im Oderbruch von 1961 bis 2007); Hans Hübner stellt ein Karrikaturbuch vor; Besuch der Seelower Höhen mit Führung. Das Projekt finanziert sich ausschließlich über die Teilnehmerbeiträge, zur Zeit rund 110 Euro pro Person. Die Termine werden über die Parteibezirkszeitung und das Internet beworben. Es kommen immer mehr Parteilose mit. Man lernt sich kennen, man verbringt ein angenehmes kulturreiches Wochenende, und das hat auch alles mit einem Anspruch der LINKEN zu tun.

Katrin Möller: Veranstaltungsformate anbieten, wo Leute dazukommen, die nicht in der Partei sind.

Frank Schwarz , Mitarbeiter Bundestagsfraktion
Projekt: Linker Sportverein in Berlin
Es gibt einen Linken Sportverein in Berlin mit einer Laufgruppe und einer Fußballmannschaft. Treffen jeden Dienstag, 18 Uhr, Holzmarktstr. Mit roten T-Shirts DIE LINKE im Bundestag wird aufgelaufen. Für alle deutlich zu erkennen. Weitere Anfragen: frank.schwarz@linksfraktion.de

Siegfried Ebert, Treptow-Köpenick, Leiter der AG Seniorenpolitik seit 18 Jahren, einmal im Monat, Stamm von 14 Genossinnen und Genossen
Etwa 60.000 Seniorinnen und Senioren leben in Treptow-Köpenick, wir wollen uns ihrer Anliegen annehmen. Was sollte Seniorenarbeit leisten? Wir laden Vereine wie die Volkssolidarität, Seniorenbeirat, ISOR ein, verständigen uns inhaltlich und stimmen Aktionen ab. Wir werben erfolgreich für die KandidatInnen der LINKEN bei der Wahl der Seniorenvertretung im Bezirk.
Erfolg: 10.000 Unterschriften gegen die Übertragung der Seniorenfreizeitstätten gesammelt – sie blieben vorerst in kommunaler Hand
Zur Zeit werden Proteste gegen das Rentenunrecht vorbereitet.
Wir müssen offensiv in den Vereinen klarmachen, was DIE LINKE vertritt, und um die Stimme bei Wahlen werben.

Hans Herzberg, Mitte
Unsere kleine Basisgruppe geht über die Volkssolidaritätsgruppe auf die Leute zu. Wir interessieren uns für die Probleme der Älteren. Viele sind inzwischen allein. Zu den Verbindungen der Parteiebenen: Kontakt zum Bezirksvorstand ist gut und Probleme werden aufgenommen. Anders scheint es beim Parteivorstand zu sein. Die „Basis“ muss bei Entscheidungen mehr einbezogen werden, zum Beispiel beim Vorschlag für Kandidatur der Bundestagspräsidentin.

Werner Hallbauer, Neukölln
Lage in Neukölln etwas anders als in den Ostverbänden. Durchschnittsalter liegt bei 42 Jahren, ca. 300 Mitglieder, zurzeit stagniert die Mitgliederzahl.
Neue kommen bei Aktionen – „Mitmachpartei“. Dafür politische Kampagnenplanung, wo gemeinsame Ziele formuliert und die unterschiedlichen Ebenen mobilisiert werden. Auf der Straße auf junge Leute zugehen
Neukölln hat fünf Basisgruppen, vier bezirkliche und eine Hartz-IV-AG. Außerdem eine AG Kultur und politische Bildung.
Veranstaltungen werden organisiert (Filmvorführungen mit Diskussion, Vernissagen, Vorträge), um sich im Kiez zu etablieren. Aufgabe des Bezirksvorstandes ist es, die Leute und Aktivitäten zusammenzubringen. Am Anfang jeder Bezirksvorstandssitzung können Themen benannt werden, danach die Tagesordnung.

Adrian Furtwängler, Mitte, Jugendverband [‘solid]
Innerparteiliches Leben: Wir haben es hinbekommen, Freunde zu sein (weggehen, Fußball spielen, gemeinsam zu Veranstaltungen gehen). Man will mehr, als sich einmal im Monat zu treffen und über Politik zu reden.
Basis für ein Miteinander sind Offenheit und Menschlichkeit. Misstrauen zerstört Zusammenarbeit.
Partei nach außen, wenn man gefragt wird, offener in die Gesellschaft tragen: Ja, ich bin ein LINKER, wir haben Visionen, wir wollen eine Gesellschaft, in der jeder Mensch sein kann, wie er will.
Nicht die ganze Zeit die Streitigkeiten nach vorne tragen.

Sonja Strienitz, Mitte
Basisgruppe ist berufsorientiert: ehemalige und derzeitige Mitarbeiter der Humboldt-Universität und Akademie. Die Gruppe war früher sehr aktiv, inzwischen gibt es in der Hinsicht durch die Altersstruktur ein großes Problem. Trotzdem sind viele Genossinnen und Genossen noch außerhalb der Partei in Vereinen aktiv und organisieren hochinteressante Veranstaltungen mit wertvollen Themen für die LINKE. Zum Beispiel im Verein Freunde Russland oder in der Interessengemeinschaft Nikolai Bersarin, die im harten Kampf, mit Unterstützung der Abgeordneten unserer Partei, das Gedenken an Bersarin wach hält.
Die Basisgruppe trifft sich einmal im Jahr mit ehemaligen Weggefährten, die durch die Wende andere berufliche Wege beschreiten mussten. Diese Aufmerksamkeit füreinander und das einander Zuhören sind ebenso politische Arbeit.

Silke Mok, Lichtenberg, Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung und des Bezirksvorstandes
Wie bekommt man alt und jung zusammen? Silke ist Mitglied der Basisgroppe Roter Bär, deren Mitglieder zwischen 20 und 35 Jahre jung sind. Mit 35 ist Silke die Älteste. Die Hauptversammlung von Lichtenberg hat ein Durchschnittsalter von 75 Jahren. Wie kann man sich gegenseitig unterstützen? Fördert und fordert die jüngere Generation!

Genosse aus Buchholz
Wir sind dabei, einen Bildungsverein zu gründen, ohne das Wort LINKE in der Satzung. Humanistische Bildung und Kultur sind die Säulen. Wir wollen besonders ehemalige Mitglieder ansprechen und einladen.

Daniel Wittmer, Friedrichshain Kreuzberg
Große Ungleichheit in der Mitgliedschaft, zum Beispiel langjährige – neue, alte –junge Mitglieder. Daraus folgen verschiedene Grundlagen und Bedürfnisse. Zum Beispiel in der politischen Bildung: Ein Teil hat noch keine Grundlagen, andere wollen Vertiefung. Das erfordert Kultur des Umgangs, man muss aufeinander zugehen, sich aufeinander einlassen. Das muss durch den Bezirksvorstand organisiert werden.

Manuela Schmidt, MdA, Marzahn-Hellersdorf
Wie schaffen wir ein Wir-Gefühl, alt und jung gemeinsam? Erstens: verschiedene Angebote wie Kulturfahrten oder Zeitzeugenforen. Wir haben angefangen, Geschichten für die Enkel aufzuschreiben.
Zweitens: Vermittlung von Wissen. Wir haben angefangen, Mitgliedervollversammlungen in den Wahlkreisen durchzuführen. Ein individueller Austausch über konkrete Projekte, Ziele und Zielgruppen.

Gerhard Groß, Friedrichshain-Kreuzberg
Parteileben hat viel damit zu tun, warum bin ich in der Partei: Warum soll ich mit ihr leben? Ich will mit ihr was erleben, mit anderen etwas machen, bewegen, verändern, die Welt verbessern, Freude teilen, wenn wir etwas gemeinsam geschafft haben, uns darüber freuen, was tun, was auch Freude macht.
Wir müssen andere von der Richtigkeit der Ideen der Partei überzeugen. Dazu muss ich aber auch einiges wissen – wie jetzt zum Beispiel über den Energietisch. Man muss sich also engagieren. Wenn man das nicht will, keine Lust darauf hat, dann soll man gehen.

Marion Platta, MdA, Lichtenberg
Parteileben – man sucht sich Mitstreiter zu speziellen Themen. Seit den 90er Jahren ist es für mich die LAG Umwelt, die nach außen wirkt. Die LAG trifft sich jeden dritten Freitag im Abgeordnetenhaus. Sie ist seit Jahren auf dem Umweltfestival vertreten und hat zwei Umweltkonferenzen organisiert.

Katrin Möller: Frage zum Verfahren: Laut Zeitplan müsste jetzt politische Bildung rankommen. Erst mal weiter mit Parteileben? – Fortgesetzt wird, ohne Pause, mit dem Schwerpunkt Parteileben fortgesetzt.

Andreas Krämer, Spandau
Er berichtet über den inneren Zustand der Spandauer Bezirksorganisation, der keine Werbung für die Attraktivität der Partei und sehr belastend ist.

Ernst Welters, Landesvorstand, Treptow-Köpenick
Parteileben bedeutet auch, ständig zu verkraften, dass wieder einer nicht da ist. Parteileben bedeutet auch, zu Beerdigungen zu gehen und Abschied zu nehmen. Warum gab es bei den Berlin-Wahlen ein so gutes Abschneiden in Friedrichshagen? Die Genossinnen und Genossen waren bei den Bürgerprotesten gegen die Flugrouten dabei, sie organisierten mit, waren Ordner oder verteilten Flugblätter.
Vor Ort sind die Handlungsoptionen andere als auf Landesebene. Ständig muss erklärt werden, warum Land und Bund anders handeln. Im Parteileben muss man diese Widersprüche analysieren und dann darstellen, wie man damit umgeht. Die Linie vor Ort und die Linie zentral müssen in eine gewisse Kompatibilität gebracht werden.

Bernd Ostermann, Marzahn-Hellersdorf
Es gibt zu wenig Interesse an politischer Bildung. Man sollte sich mit der Frage beschäftigen, ob wir noch eine Klassengesellschaft sind. Er will kein Parteilehrjahr, aber die Partei braucht Formen, sich auszutauschen.

Dragan Angelkowic, Tempelhof-Schöneberg
Es ist schwierig, alt und jung zusammenzuführen. Schwierig, Dinge wie humanistische Bildung zu vermitteln. Denker wie Marx hochhalten ist auch schwierig. Man muss auf seine Umwelt einwirken, um etwas zu verändern. Dabei muss jeder Verantwortung übernehmen.

Werner Hallbauer, Neukölln
Unsere Partei hat einen grundsätzlichen Mangel an marxistischer Bildung. Wenn man in grundsätzlichen Fragen keine Haltung hat, warum eine Gesellschaft ungerecht ist, kann man nicht vermitteln, was wir wollen. Die Marktmacht der Großkonzerne muss gebrochen werden.

Siegrun Merkle, Pankow
Es gibt verschieden Bedarfe, wie Parteileben sich gestalten soll – alle haben ihre Berechtigung. Das zu regeln, ist die Aufgabe der Bezirksvorstände. Und wenn es Genossinnen und Genossen gibt, die nur Beitrag zahlen und nicht mehr wollen, weil sie zum Beispiel voll ausgelastet im Berufsleben stehen, dann sollte man das ohne Naserümpfen akzeptieren.
Die Forderung, dass die Alten die Jungen an die Hand nehmen, ist gut. Sie gilt aber auch andersrum. So könnten die Jungen doch bei Internetfragen behilflich sein, damit die Älteren sich an den virtuellen Diskussionen beteiligen können.

Marian Malinowski, Steglitz-Zehlendorf, [‘solid]
Man muss verschiedene Positionen aushalten und trotzdem miteinander ordentlich umgehen. Wenn man den Landesvorstand als Feind sieht, läuft grundsätzlich etwas schief.

Daniel Wittmer, Friedrichshain/Kreuzberg
Man muss junge Menschen an Marx heranführen, wenn sie qualifiziert in der Partei mitmachen und mitbestimmen sollen. Es sollten regelmäßig Neumitgliederseminare durchgeführt werden. Wichtig sind auch Kenntnisse zur Geschichte. Ohne Geschichte keine Zukunft. Bildungsarbeit muss strategisch gelenkt werden.

Vorschlag/Bitte aus dem Forum für Genossinnen und Genossen ohne Internet, Terminübersichten und andere Infos bereitzustellen. Vorschlagen wird, alle Termine des Landes Berlin in einer Übersicht im Internet bereitzustellen.

Sylvia Müller, Landesvorstand, Treptow-Köpenick
Alle Termine stehen im Netz. Wenn alle in einer Übersicht sind, wird es eher nicht mehr handhabbar sein. Es gibt selbstverständlich die Möglichkeit, sich in den Geschäftsstellen Dinge ausdrucken zu lassen

Hans Fritz Piatowski, Lichtenberg
Der Landesvorstand und die AG politische Bildung sollten einen Vorschlag machen, um das Parteiprogramm in den Mittelpunkt der poltischen Bildung zu stellen.

Katrin Möller,
Sie bedauert, dass in dieser Veranstaltung nur Komplex Parteileben diskutiert werden konnte, aber es gab einen großen Bedarf. Im Landesvorstand ist zu klären, in welcher Form wir noch mal den Komplex politische Bildung behandeln.