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Arbeitskonferenz Mitgliederentwicklung

Workshop: Mehr Frauen in DIE LINKE!

1. Kernaussagen der Input-Referate

Bestandsaufnahme

  • Die Politikgestaltung der LINKEN muss den gesellschaftlichen Anforderungen an gleiche Teilhabe aller gerecht werden. Deshalb wollen und brauchen wir die gleichberechtigte innerparteiliche Mitwirkung aller bei der politischen Arbeit und Meinungsbildung.
  • Wir wollen als Partei Wählerinnen und Mitstreiterinnen gewinnen. Dies gelingt über Inhalte aber auch mit Außenwirkung. Deshalb brauchen wir ebenfalls quotierte Vorstandsgremien auf allen Ebenen und quotierte Listen für die Parlamente.

Für eine Politik, in der die Frauen für die Veränderungen in ihrem Leben selbst verantwortlich sind und dafür, dass sie die Definitionshoheit darüber haben, was verbessert werden muss.

Wir haben…

  • rückläufige Mitgliederzahlen insgesamt, innerhalb derer auch noch rückläufige Zahlen von »aktiven« weiblichen Genossinnen in der Mitgliedschaft (derzeit 43% weibliche Mitglieder im Berliner Landesverband)
  • einen hohen Altersdurchschnitt (besonders bei Frauen), generell eine hohe Heterogenität in der Mitgliedschaft und sehr unterschiedliche Ansprüche und Möglichkeiten
  • weniger Neueintritte von Frauen als von Männern
  • weniger neue Frauen als Männer, die in unseren Strukturen ankommen und/oder aktiv werden
  • in der Partei einen großen Gestaltungsspielraum (Selbermachpartei geht!) aber auch traditionelle Strukturen und Hierarchien
  • eine Quotenregelung mit unumstößlichem Stellenwert (obwohl manche murren)
  • den gemeinsamen Willen, Lösungen zu finden!

…also ein paar Probleme

  • Alles – so z.B. auch die Quotierung, hat sein Gutes und sein Schlechtes. Streng quotierte Vorstandsgremien und Mandatslisten – sind z.B. etwas anderes als die real-linke Basisarbeit, das heißt: die Durchmischung »oben« widerspiegelt sich nicht im Gesamtbild
  • die Statistik zeigt: Neue Frauen bleiben oft nach einigen Kontaktaufnahmen weg und werden »unsichtbar«
  • die »Unsichtbaren« werden vergessen
  • die erfahrenen oder neuen mitarbeitenden Frauen sind häufig schnell mehrfach belastet (sind gleichzeitig Delegierte zu Parteitagen, arbeiten in Gremien und Arbeitsgruppen, sind Mandatsträgerinnen, in BOen usf.)
  • in jeder Legislatur haben wir große Probleme weiblichen Nachwuchs an MandatsträgerInnen zu finden (BVVen, Stadträtinnen, Bezirksvorstände)

Bekanntes zur Problematik der politischen Mitwirkung von Frauen:

  • Familie hat bei Frauen mehrheitlich Priorität (vor Beruf, Politik usw.)
  • das »Private«, Familie, Freunde, Kultur, Natur – steht als Bodenhaftung und Quelle der Regeneration aber auch als Impuls für politische Initiativen – für die meisten Frauen im Vordergrund
  • dazu muss Raum für individuelle Regeneration und Entwicklung kommen
  • dazu kommt – politisch aktive Frauen sind häufig mehrfach gesellschaftlich aktiv (Bürgerinitiativen, Gewerkschaften u.a. Beschäftigtenvertretungen, Nachbarschaften, individuelle Kontakte)
  • dazu kommt Erwerbstätigkeit als Existenzgrundlage und/oder als Berufung
  • dazu kommt dann die Partei mit Ansprüchen und Möglichkeiten
  • dazu kommt die schlechte Vereinbarkeit von Mutterschaft oder Pflege Angehöriger mit den Tageszeiten, in denen sich politische Arbeit abspielt
  • dazu kommt, dass es unser Anspruch ist, als Linke in den gesellschaftlichen Strukturen und Bewegungen präsent und aktiv zu sein
  • dazu kommt inhaltliche Vorbereitung, politische Bildung
  • häufige Folge: etwas oder auch vieles bleibt auf der Strecke - (zum Beispiel die Frauenpolitik: »Für so was hab ich keine Zeit.«)

Input von Katrin Möller

  • Warum ändert sich so wenig, obwohl wir es besser wissen?
  • Konzept zur Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit in der Linken von 2011, Ergebnisse einer Befragung S.10, größte Probleme sind: Zeitmangel, Umgangskultur, lange Sitzungen, Hierarchien
  • viele Lösungsversuche, wenig Solidarität und Verständnis in der Partei
  • Engagement für Neues und Anderes hängt oft an Einzelpersonen, fallen diese weg, zerbricht die Struktur
  • Außerdem – Paradoxon – zusätzliche Angebote/Strukturen – autonome Räume – kosten zusätzliche Zeit (Neumitgliederbegrüßung vorab für Frauen, Frauenplenen, LAG, Mentoring) und das, obwohl der Zeitmangel das größte Problem ist
  • vorhandene Strukturen/Arbeitsweisen ändern kostet Nerven und Zeit
  • der LAG-Versuch (autonomer Raum für Frauen oder »funktionierende« Parteistruktur, Methodenprobleme und Aushandlungsprozesse, Einschleichen gewohnter Verhaltensmuster, wie richtig Netzwerken?)
  • und andere Versuche (Handbuch, Frühstücksrunde, Frauenplenum AGH)

Input von Friederike Benda

Studentische Strukturen und Jugendverband, was brauchen die Jüngeren?

Eine kurze Schilderung zum Versuch des Aufbaus einer feministischen Praxis, die die besonderen Bedürfnisse und Interessen von Frauen mitdenkt:

Im Studierendenverband DIE LINKE.SDS und in der Linksjugend solid hat sich in den vergangenen Jahren eine intensive Debatte um die Frage der Organisierung von Frauen und feministischer Politik entwickelt. Diese entstand nicht aus einer gesamtverbandlichen Einsicht in die objektive Notwendigkeit aufgrund patriarchaler Strukturen im Verband, sondern vielmehr durch das Zusammenschließen von Feminist*innen im Verband. Diese sahen eine Notwendigkeit, über das Reproduzieren patriarchaler Strukturen in der eigenen Organisation zu reflektieren, dies gesellschaftlich einzuordnen und in den konkreten Situationen zu verändern. Letztlich entstand eine Debatte um die Frage, wie Gesellschaftsveränderung und Selbstveränderung in einer sozialistischen Organisation Hand in Hand gehen können.

Es ging demnach um die Diskussion von linker Gesellschaftstheorie und um das Aufzeigen der Leerstellen in diesen, was die Frage von Frauen und Patriarchat angeht und gleichzeitig um eine daraus abgeleitete Veränderung der eigenen politischen Praxis.

Im Zuge dieses Prozesses entstand u.a. die Etablierung eines Frauenplenums, das Frauenförderprogramm, die feministische Zukunftswerkstatt, die Schreibwerkstatt für Frauen und letztlich auch die Initiative für das Bündnis Frauen*kampftag.


2. Ergebnisse

Wer sind die verantwortlichen Akteure?

Landesvorstand, LAG Linke Frauen, Jugendverband, SDS

Welche konkreten Handlungen werden erwartet von

Landesvorstand

  • Wir schlagen eine öffentliche Veranstaltung der LINKEN Berlin vor, die sich inhaltlich mit der Fragestellung »Warum ich als Frau aktiv in der LINKEN bin« (Arbeitstitel) beschäftigt. Hier soll einerseits anhand persönlicher Biografien und Motivationen erörtert werden, mit welchen Erwartungen Frauen in der LINKEN aktiv werden. Da diese Motivationen nicht in einem luftleeren Raum entstehen, soll die Veranstaltung auch einen Blick auf die historische Frauenbewegung gewährleisten, um die spezielle Rolle und Sicht sozialistischer Feministinnen in den Fokus zu rücken. Hieran wollen wir mit einer Analyse der derzeitigen gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse anknüpfen, um zu eruieren, an welchen Punkten DIE LINKE mit feministischen Inhalten besonders in Erscheinung treten muss. Die Veranstaltung gewährleistet somit als gewünschtes Ergebnis eine Benennung der Handlungsfelder, in denen wir als LINKE aktiv bleiben/werden sollen und begründet darüber hinaus, warum DIE LINKE ein richtiger Ort für Frauen ist, um politisch aktiv zu sein und lädt sie dazu ein mit uns ihre Interessen zu vertreten.
  • Auf der nächsten Herbstakademie könnte ein Workshop zum Thema Gesprächskultur hilfreich sein.
  • Eine bessere Vernetzung zwischen allen im Landesverband arbeitenden Strukturen ist nötig, um gegenseitig Expertise einzuholen und um so Arbeit nicht doppelt und dreifach zu machen. Speziell sollte auf den Webseiten der LAGen, IGen etc. erkennbar sein, wann welche Schwerpunkte gerade bearbeitet werden und welche Veranstaltungen stattfinden oder geplant sind. Zu fördern ist ein informeller Austausch, überhaupt die Kommunikation zwischen den Arbeitskreisen, damit wir voneinander wissen und uns gegenseitig unterstützen können. In Bezirksregionen oder thematisch abgegrenzt zu denken, ist nicht Ressourcen schonend.
  • Autonome Räume für Frauen, wenn diese gewünscht sind, müssen eine Selbstverständlichkeit sein. Frauen müssen die Definitionshoheit über ihre Bedürfnisse und Ansprüche haben, das fordern wir für die Gesellschaft und das muss auch für uns als Partei gelten. In autonomen Frauen-Räumen wird anders und offener kommuniziert als in sonstigen Gremien. Dort kann politische Bildung und Willensbildung passieren, die Frauen stärkt und die somit der Partei zuträglich ist. Die Tatsache, dass Frauen um autonome Räume kämpfen müssen, verschlingt Energie, die wir für die politische Arbeit brauchen.
  • Junge Frauen sind - auch aufgrund unserer Quotenregelung und infolge der Tatsache, dass weniger Frauen als Männer politisch aktiv werden, oft zu schnell zu überlastet. Das geht so nicht weiter! Es müssen im Landesverband Sensibilität und Verständnis für die Arbeits-, Studien-, Ausbildungs- und allgemeinen Lebenssituationen von jungen Frauen entwickelt werden. Unterstützungsangebote und eine angemessene Anspruchshaltung sind nötig.
  • Generationen müssen miteinander in Kontakt sein. Nicht alle Menschen kommunizieren über das Internet. Hilfreich wäre auch hierin bessere Vernetzung der Arbeitsgremien des Landesverbandes.

Bezirksvorständen

  • Junge Frauen sind - auch aufgrund unserer Quotenregelung und infolge der Tatsache, dass weniger Frauen als Männer politisch aktiv werden, oft zu schnell zu überlastet. Das geht so nicht weiter! Es müssen im Landesverband Sensibilität und Verständnis für die Arbeits-, Studien-, Ausbildungs- und allgemeinen Lebenssituationen von jungen Frauen entwickelt werden. Unterstützungsangebote und eine angemessene Anspruchshaltung sind nötig.
  • Generationen müssen miteinander in Kontakt sein. Nicht alle Menschen kommunizieren über das Internet. Hilfreich wäre auch hierin bessere Vernetzung der Arbeitsgremien des Landesverbandes.

Landesarbeitsgemeinschaften

LAG Linke Frauen:
Weiterhin schlagen wir einen Flyer der LINKEN Berlin vor, der sich inhaltlich und visuell direkt an Frauen wendet. Dieser soll die feministischen Positionen der Partei benennen, zum Mitmachen ermutigen und die hierfür relevanten Zusammenschlüsse mit Kontaktdaten abbilden.