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LAZ | Ausgabe Mai 2002, Seite 2

Mehr Kitas in freie Trägerschaft?

Pro: Gute Erfahrungen mit freien Trägern Kontrolle und Planung durch Senat und Bezirke

In Berlin ist mittlerweile fast jeder dritte Kita-Platz ein Platz bei einem freien gemeinnützigen Träger. Die Bezirke und viele Eltern haben mit diesen Kitas gute Erfahrungen gemacht. Sie ergänzen das kommunale Angebot und sind aus den Stadtteilen nicht mehr wegzudenken. Oft zeichnen sich diese Einrichtungen durch neue und interessante Konzepte aus. Sie sind auch deshalb attraktiv, weil sie nicht an die Bürokratie der öffentlichen Verwaltung gebunden sind und sich schneller auf neue Bedingungen einstellen können.

Die freien Träger sind genauso wie die kommunalen Einrichtungen an die Rahmenbedingungen gebunden, die der Staat als Gewährleistungsverpflichteter setzt. Das heißt, für diese Einrichtungen gelten die gleichen Qualitätsstandards, die gleiche Personalbemessung und Eltern zahlen die gleichen Beiträge.

Dabei haben die Kitas in freier Trägerschaft Sicherheit in Fragen Finanzierung und Personalbesetzung. Der Senat hat mit den freien Trägern eine Rahmenvereinbarung abgeschlossen, die den Einrichtungen 78 Prozent der Kosten pro Platz aus Landesmitteln garantiert, 13 Prozent machen die Elternbeiträge aus, zu 9 Prozent erbringen die Träger Eigenleistungen.

Senat und Bezirke kontrollieren die Arbeit der Einrichtungen – ohne Betriebserlaubnis kann keine Kita in freier Trägerschaft ihre Arbeit aufnehmen. Die bezirklichen Jugendämter haben auch weiterhin die Planungshoheit und garantieren den Eltern, dass der Rechtsanspruch jedes Kindes auf einen Kita-Platz verwirklicht wird.

Die Pluralität des Angebots setzt für uns zwingend das Vorhandensein eines kommunalen Angebots voraus. Es gibt eben Eltern, die wünschen einen Platz in einer kommunalen Einrichtung – dafür müssen Plätze zur Verfügung stehen. Die PDS-SPD-Koalition hat sich deshalb darauf verständigt, insgesamt ca. 66 Prozent der Plätze an freie Träger zu übertragen und ein Drittel in kommunaler Trägerschaft beizubehalten.

Für die Kinder und Eltern wird sich nicht viel ändern – sie werden weiter und hoffentlich in noch höherem Maße das Angebot vorfinden, dass sie sich für ihre Kinder und für ihre Familienverhältnisse wünschen. Denn wir wollen, dass sich im Rahmen der verstärkten Übertragung der kommunalen Kitas in freie Trägerschaft auch die Finanzierungsbedingungen für die kommunalen Einrichtungen verbessern. Das schafft dann die Voraussetzungen für einen echten und sinnvollen Wettbewerb – nämlich den um mehr Qualität in der Kita-Betreuung.

Die Bezirke, die den Übertragungsprozess führen müssen, haben eine große Verantwortung. Sie müssen Eltern und Erzieherinnen frühzeitig einbeziehen und mit ihnen gemeinsam beraten, welche Träger der Jugendhilfe ihre Kitas übernehmen können. In den meisten Fällen werden es Träger sein, die in den Sozialräumen für gute Arbeit bekannt sind und das Vertrauen der Eltern besitzen. Ohne dieses Vertrauen geht es nicht.


Dr. Margrit Barth

kinder-und familienpolitische Sprecherin der PDS-Fraktion