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LAZ | Ausgabe Mai 2002, Seite 2

Die PDS lud ein – und viele, viele kamen

Neue Bezirksgeschäftsstelle in Spandau eröffnet – mitten in der Altstadt, mitten im Leben

Der schwarz-weiß gefleckte Hund schien etwas verwundert ob der vielen Leute, die sich im Raum drängten. Das war er so nicht gewohnt bei den Zusammenkünften der PDS in Spandau, wozu ihn Eda und Karl-Heinz immer mitnehmen. Da kannte er auch jeden, und hier waren es so viele Fremde. Aber er ertrug das Gedränge mit Fassung, schnüffelte hier, ließ sich dort streicheln und immer mal wieder den ein oder anderen Bissen zustecken. Gar nicht so schlecht, so viele Leute!

Es war sogar richtig gut, welche Resonanz die Eröffnung der neuen Bezirksgeschäftsstelle der PDS Berlin in Spandau fand. Der Fraktionsvorsitzende der FDP in der BVV war da, der Behindertenbeauftragte, Vertreter von Ämtern und Projekten, Mitglieder der PDS aus anderen Berliner Bezirken und sogar aus Falkensee und Nauen im Brandenburgischen, zu denen regelmäßige Kontakte bestehen. Der SPD-Vorsitzende kam etwas später vorbei – ihn hatten Termine im Rathaus aufgehalten. Und natürlich war der PDS-Landesvorstand stark vertreten. Vorsitzender Stefan Liebich formulierte denn auch das Ziel, dass die neue Geschäftsstelle nicht nur der »Verwaltung« der zur Zeit 38 Mitglieder im Bezirk dienen solle, sondern sich zu einem politisch-kulturellen Zentrum entwickeln möge. Was auch heißt, dass hier Ausstellungen und Kulturveranstaltungen stattfinden sollen. Die Bedingungen dafür sind jedenfalls entscheidend verbessert worden. Bisher hatten die Spandauer Genossinnen und Genossen ihren Anlaufpunkt in West-Staaken, »ein wenig am Rande«, wie es Bezirksvorstandsmitglied Jörg Kuhle in leiser Untertreibung formulierte. Jetzt ist die PDS in der Kinkelstraße 14/15 zu finden, ein paar Schritte weg von U- und S-Bahnstation, ganz in der Nähe des Rathauses und der Einkaufszentren, mitten in der Altstadt von Spandau.

Mit dieser neuen Geschäftsstelle – ihr wird im Mai eine in Neukölln folgen – setzt der Landesverband Berlin einen Kurs fort, der in den letzten Jahren zielstrebig verfolgt wurde. Die Geschäftsstellen müssen dort sein, wo die Menschen sind. Sie sollen attraktive Angebote entwickeln, die weit über die Partei hinaus Interesse finden. Und sie dürfen nicht, wie lange Jahre im Westteil der Stadt üblich und auch nur möglich, lediglich sporadisch und ehrenamtlich besetzt sein (was natürlich das Engagement der Ehrenamtlichen in keiner Weise schmälert), sondern einen ständigen Anlaufpunkt bieten. Letzteres wird in mehreren Bezirken – auch in Spandau – dadurch gesichert, dass hauptamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus den Ostbezirken ihren Arbeitsplatz seit dem vergangenen Jahr weiter westwärts haben. Was durchaus anfangs auf Widerstände stieß – manche wollten nicht das gewohnte Arbeitsumfeld verlassen, andere befürchteten kontrolliert und in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit entwertet zu werden –, jetzt aber mehr und mehr greift.

Jörg Kuhle wird übrigens, wenn er künftig zur Geschäftsstelle fährt, weiter sagen »Ich fahre in die Stadt« (in die Spandauer Altstadt nämlich). Sollte er zum Zoo oder zum Karl-Liebknecht-Haus in Mitte fahren, wird es heißen »Ich fahre nach Berlin«. So sind sie auch in der PDS, die Ureinwohner Spandaus.


Ulrich Kalinowski