Zurück zur Startseite
landesinfo | Ausgabe September 2003, Seite 4

11. September 1973 – Putsch in Chile

Bomben fallen auf den Präsidentenpalast „La Moneda“ in Santiago de Chile. Schwer bewaffnetes Militär rüstet zum Sturm. Dieser Übermacht können die 200 Angehörigen der Palastwache nicht standhalten. Der gewählte chilenische Präsident, Dr. Savador Allende Gossens, kommt bei diesem ungleichen Kampf ums Leben. In Santiago und den anderen Landesteilen wütet der Terror. Verhaftungen, Folterungen und Exekutionen sind an der Tagesordnung. Über 1500 Todesopfer fordert der Putsch bereits in den ersten Tagen. Das Fußballstadion von Santiago wird zum Sammellager umfunktioniert. Der prominente Dichter und Volkssänger Victor Jara wird misshandelt und getötet. Anhänger der Allende-Regierung, Gewerkschafter und Linke verschwinden spurlos. Selbst Ausländer bleiben von dieser Orgie der Gewalt nicht verschont. Tausende Chilenen müssen in der Folgezeit ihre Heimat verlassen, um sich in Sicherheit zu bringen.

Die Macht übernimmt eine Junta unter General Pinochet. Sie wollen dem „Spuk des Marxismus“ in Chile ein Ende machen, heißt es unverblümt. US-amerikanische Firmen bedanken sich bei den Putschisten mit Investitionen, nachdem die Regierung Allende zuvor mit Wirtschaftsboykott erpresst wurde. Die Sozialmaßnahmen der gestürzten Regierung werden umgehend annulliert, Verstaatlichungsmaßnahmen und Bodenreform rückgängig gemacht. Die Mitwirkung der CIA an dieser Operation war bereits damals ein offenes Geheimnis. Vom ökonomischen Aufschwung profitierten in der Folgezeit jedoch nur der Mittelstand und eine kleine Oberschicht.

Der Putsch setzt dem Versuch ein Ende, ohne Gewalt und unter Wahrung der parlamentarischen Demokratie sowie aller politischen und bürgerlichen Freiheiten sozialistische Reformen auf den Weg zu bringen. Drei Jahre zuvor hatte die Linkskoalition der Unidad Popular Stimmen gewonnen und über einen ausgewogenen Kompromiss die Wahl des Sozialisten Salvador Allende zum Präsidenten ermöglicht. Soziale Gerechtigkeit durch Umverteilung, Öffnung des Bildungswesens, Verbesserung der Gesundheitsversorgung und des Zugangs zur Kultur waren einige der Ziele des Wahlprogramms. Selbst Teile der Christdemokraten sympathisierten mit etlichen Forderungen der UnidadPopular und ihres Präsidenten. Die Rückgewinnung der nationalen Verfügungsgewalt über die Rohstoffquellen brachte jedoch die ausländischen Monopole und ihre chilenischen Statthalter auf den Plan.


Prof. Dr. Jürgen Hofmann