Zurück zur Startseite
landesinfo | Ausgabe November 2003, Seite 4

19. November 1863 – Rede Abraham Lincolns in Ghettysburg

»... und dass eine Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk nicht von der Erde verschwinden soll«,

endete die kürzeste Rede Abraham Lincolns am 19. November 1863. Anlass war die Einweihung des Nationalfriedhofes von Ghettysburg. In der Schlacht von Ghettysburg waren im Juli 1863 Zehntausende Soldaten des Nordens und des Südens verwundet, verstümmelt oder getötet worden. Obwohl die Schlacht zunächst nach einem Unentschieden aussah, konnte der Norden Ghettysburg nutzen, um die Wende im Bürgerkrieg herbeizuführen. Schließlich am 11. April 1865 kapitulierte die Armee der Sklavenhaltenden Oligarchie der Konföderierten.

Der blutigste Krieg, den die Menschheit bis dahin erlebte, wurde nicht nur um die Sklaverei geführt, sondern, nach Lincoln, auch um die Frage, ob eine vom Volk legitimierte Regierung im stande sei, ein Land zu regieren und dennoch den Werten der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung – Freiheit und Gleichheit – verpflichtet zu sein.

»Sie (die Arbeiter Europas – C.S.) halten es für keinen Zufall der kommenden Epoche, dass das Schicksal Abraham Lincoln erkor, den zielstrebigen Sohn der Arbeiterklasse, sein Land durch den unvergleichlichen Kampf für die Rettung der versklavten Rasse und für den Wiederaufbau einer sozialen Welt zu führen«, schrieb die IAA (Internationale Arbeiter Assoziation) 1864 in einem Brief an Abraham Lincoln. Entworfen hatte diesen Brief Karl Marx, der die Anstrengungen Lincolns und des von ihm geführten Nordens im amerikanischen Bürgerkrieg mit großer Sympathie verfolgte.

Lincoln überlebte den Bürgerkrieg nur wenige Tage. Er starb am 15. April 1865 an den Folgen eines Attentats.

Walt Whitman, der große amerikanische Dichter, gab seiner Trauer in dem berühmten Gedicht »Oh Captain! My Captain« Ausdruck.

Lincoln, der auch der erste Präsidentschaftskandidat der Republikaner war, gilt auch heute noch als einer der wichtigsten Bezugspunkte linker Amerikaner/-innen, auch wenn die Republikaner seit seiner Zeit eine dramatische Veränderung erlebt haben und heute von Ölmagnaten wie George Bush und populären Schauspielern wie Arnold Schwarzenegger repräsentiert werden.


Carsten Schatz