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landesinfo | Ausgabe Februar 2004, Seite 4

6. Februar 1919 – Die Weimarer Republik

In Weimar tritt die Nationalversammlung zusammen. Tagungsort ist das dortige Nationaltheater. Goethe und Schiller zieren den Vorplatz. Die Stadt der Klassiker wird der Republik, die dem Kaiserreich folgt, ihren Namen geben. Die Vermutung des Sozialdemokraten und ersten Ministerpräsidenten Philipp Scheidemann, dass dies »ein gutes Symbol für die junge deutsche Republik« sei, bewahrheitet sich jedoch nicht. Vierzehn Jahre später ergießt sich der Terror der braunen Kolonnen über Frauen und Männer der »Systemzeit«, wie die Anhänger der Weimarer Republik verächtlich genannt werden.

Die verfassunggebende Versammlung wird nach Thüringen einberufen, um sich dem politisch unsicheren Pflaster der Reichshauptstadt Berlin und eventuellen revolutionären Stimmungen zu entziehen. Der Berliner Januaraufstand und der Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht liegen nur wenige Wochen zurück. Die Nachwehen der Novemberrevolution sind noch nicht völlig abgeklungen. Streiks erschüttern das Land. Die Ermordung des bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner am 21. Februar mündet in der Bayerischen Räterepublik. Auch in Bremen, Braunschweig und Mannheim wird kurzzeitig die Rätemacht ausgerufen. In Berlin kosten die Märzkämpfe rund 1000 Menschen das Leben. Gustav Noske verfügt den rücksichtslosen Einsatz der Schusswaffe.

Die 416 Abgeordneten gehen währenddessen in Weimar ihren Geschäften nach. Eine Verfassung ist zu verhandeln. Eine parlamentarische Republik soll aus der Taufe gehoben werden. Den Entwurf liefert der liberale Berliner Staatsrechtler Hugo Preuß. Doch zunächst wird Friedrich Ebert am 11. Februar zum provisorischen Reichspräsidenten gewählt. Scheidemann erhält den Auftrag der Regierungsbildung. Sein Kabinett aus Mehrheitssozialdemokraten und Vertretern der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) wird zwei Tage später vereidigt.

Die Mehrheitsverhältnisse in der Weimarer Nationalversammlung waren mit den Wahlen vom 19. Januar fixiert worden. Erstmals konnten auch Frauen an die Wahlurnen. Die SPD stellte mit fast 38 Prozent die meisten Abgeordneten. Konservative und monarchistische Kräfte blieben mit knappen 15 Prozent deutlich in der Minderheit. Die KPD hatte sich gegen den Rat Rosa Luxemburgs der Wahl verweigert.


Prof. Dr. Jürgen Hofmann