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landesinfo | Ausgabe März 2004, Seite 2

Studienkonten statt Studiengebühren

Für die Sicherung eines entgeltfreien Erststudiums

Noch verhindert ein Bundesgesetz Studiengebühren fürs Erststudium. Noch. Wenn das Gesetz fällt, liegt die Entscheidung bei den Ländern. In Berlin gibt es eine große Koalition für Studiengebühren. Sie reicht von der CDU über die FDP bis hin zu Teilen der SPD.

Wer die Gebührenfreiheit auch über den nächsten Wahltag hinaus sichern will, muss jetzt handeln, muss die relative Stärke der PDS im Senat nutzen.

Das von mir vorgeschlagene Studienkontenmodell unterscheidet sich von dem anderer Länder. Es ist liberaler und sozial gerechter als die Modelle in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Es sichert ein gebührenfreies Erststudium für alle.

Die Guthaben liegen mit 360 Credit-Points 20% über dem, was für einen erfolgreichen Studienabschluss gebraucht wird. Das erlaubt Orientierungsphasen, Wiederholungen und die Nutzung zusätzlicher Studienangebote. Wer innerhalb der ersten zwei Semester den Studiengang wechselt, bekommt das Konto neu aufgefüllt.

Analog zum BaFöG gibt es Ausnahmeregelungen im Falle von Krankheit, Kindererziehung, Schwangerschaft oder bei der Betreuung von Angehörigen.

Studienkonten sind verbrauchsabhängig, orientieren sich am individuellen Studienverlauf und gewährleisten ein integriertes Teilzeitstudium.

Wer neben dem Studium arbeiten muss, kann dies fast 24 Semester lang tun. Ganz unbürokratisch, als Teilzeitstudierende/r, gebührenfrei und ohne Sorge vor einer vorzeitigen Exmatrikulation. Auslandssemester belasten das Konto nicht. Wer schneller studiert, kann nicht verbrauchte Guthaben (Credits) später zur Weiterbildung nutzen, für die ansonsten in aller Regel bezahlt werden muss.

Studienkonten stärken studentisches Engagement. Die Mitarbeit in universitären Gremien oder studentischen Selbstverwaltungsorganen wird durch Bonus-Credits honoriert.

Studienkonten verbessern Lehr- und Studienbedingungen. Stark nachgefragte Studiengänge und Fachbereiche erhalten über die Abrechnung eingelöster Credits zusätzliche Mittel im Rahmen einer leistungsbezogenen Vergabe an die Universitäten. Diese können dann zur Verbesserung des Lehrangebots und der Studienbedingungen eingesetzt werden.

Studienkonten verhindern Langzeitgebühren. Wer sein Guthaben verbraucht hat und das Konto auffüllen muss, zahlt keine Strafgebühren für zusätzliche Semester, sondern kauft nur so viele Credits nach, wie für einen erfolgreichen Abschluss noch nötig sind. In der Übergangsphase muss die Berechnung auf Semesterbasis erfolgen. Einnahmen aus Studienkonten gehen dann je zur Hälfte an das Land und die Universitäten.

Das Studienkonten-Modell ist nicht unumstritten und wird am 4. April 2004 auf einem Landesparteitag der PDS diskutiert. (A.H.)


Dr. Thomas Flierl

Senator für Wissenschaft und Bildung