Zurück zur Startseite
landesinfo | Ausgabe April 2005, Seite 4

18. April 1955

Albert Einstein stirbt in Princeton

Als am 6. November 1919 in London die Ergebnisse einer englischen Expedition veröffentlicht werden, ist die Sensation perfekt. Die allgemeine Relativitätstheorie, nur entstanden aus der Kraft des menschlichen Denkens, wurde durch die Beobachtung einer teilweisen Sonnenfinsternis bestärkt. Von nun an ist Albert Einstein ein berühmter Mann. Doch an jenem Tag, nur ein Jahr nach der Novemberrevolution in Deutschland, ahnt Einstein in seiner Berliner Wohnung in der Haberlandstraße noch nichts davon.

Einstein ist nicht nur Forscher von Weltrang, er ist Pazifist und sozial engagiert. Das bringt ihm nicht nur eine Akte bei den preußischen Behörden ein, sondern macht ihn seit Anfang der 20er Jahre zu einem Ziel des militanten Antisemitismus. Einstein ist ein internationaler Star, eine der ersten Pop-Ikonen des 20. Jahrhunderts.

Im November 1932 verlässt er Berlin, um auf eine Vortragsreise durch die USA zu gehen. An einen Abschied für immer denkt er nicht. Als die Nazis im Januar 1933 an die Macht kommen, befindet er sich gerade in Pasadena, Kalifornien. Er bricht jeden Kontakt nach Deutschland ab und tritt im März 1933 aus der Berliner Akademie aus. Er kommt damit einem Ausschluss zuvor, da die Nazis seine Arbeit in den USA gegen das Regime registrieren und ihm Gräuel–Propaganda nach­sagen. Einstein wird Berlin nie wiedersehen. Princeton wird sein Refugium, obwohl er sich dort nie zu Hause fühlt. Auch in den USA wird Einstein von den Behörden bespitzelt. Seine FBI-Akte, in den 90er Jahren veröffentlicht, ist ansehnlich.

In seinem 1930 für die Deutsche Liga für Menschenrechte verfassten »Glaubensbekenntnis« schreibt er: »Meine Leidenschaft für soziale Gerechtigkeit hat mich oft in Konflikt mit den Menschen gebracht, ebenso meine Abneigung gegen jede Bindung und Abhängigkeit, die mir nicht absolut notwendig erschien. Ich achte stets das Individuum und hege eine unüberwindliche Abneigung gegen Gewalt und gegen Vereinsmeierei. Aus allen diesen Motiven bin ich leidenschaftlicher Pazifist und Antimilitarist, lehne jeden Nationalismus ab, auch wenn er sich nur als Patriotismus gebärdet.«

Carsten Schatz