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BerlinInfo | Ausgabe Februar 2006, Seite 1

Ballast

Der Palast der Republik wird abgerissen. »Endgültig«, hieß es in den Abendnachrichten des 19. Januar 2006. Das beschloss der Bundestag mit großer Mehrheit. Die Linksfraktion und neuerdings auch Bündnis 90/Die Grünen hatten noch einmal versucht, ein Moratorium zu erwirken. Vergebens. Die »Schloss«-Träumer waren in der Überzahl. Leider.

Mindestens ebenso bedenklich waren die Töne, die während der Debatte angeschlagen wurden, allen voran von den Unionsparteien. »Der Palast war ein Statthalter für ein Gesellschaftsmodell, das wir ablehnen. Nun ist er Ballast für unsere Republik«, tönte Wolfgang Börnsen (CDU). »Der Palast war eine große Bespitzelungsmaschine«, assistierte Renate Blank (CSU). Auch Friedbert Pflüger, designierter Spitzenkandidat der Berliner CDU, hielt es nicht länger auf seinem Platz: »Der Palast steht für die SED-Diktatur. Sein Abriss ist ein Gewinn für alle!«

Und so war er im Jahr 16 des »neuen« Deutschlands plötzlich wieder da, der eisige Wind des Kalten Krieges. Es wurden ideologische Keulen gegen ein Bauwerk geschleudert, anstatt Hirn zu mühen. Und in Siegerpose wurde Geschichte verdonnert, so als ginge es nicht um eine gemeinsame Zukunft.Natürlich kann man zum Palast der Republik und zum künftigen Schloss-Platz unterschiedliche Meinungen haben. Aber darum ging es in dieser Debatte nicht. Ewiggestrige probten dümmlich einen ideologischen Aufstand und fanden ihre Gefolgschaft. Genau diesen Ballast hat Berlin wirklich nicht verdient.

 
Petra Pau
MdB, Berlin-Beauftragte der Linksfraktion