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BerlinInfo | Ausgabe Oktober 2006, Seite 4

Kalenderblatt

14. Oktober 1936
In Albacete beginnt die Aufstellung der Internationalen Brigaden

»Die Schule für alle« war eines der Ziele der Volksfrontregierung der spanischen Republik, gegen die am 18. Juli 1936 die Reaktion unter Führung von General Franco geputscht hatte. Am 9. Oktober 1936 traf in Barcelona das erste Schiff mit Freiwilligen ein, die in den Internationalen Brigaden auf Seiten der spanischen Republik kämpften. Unter schwierigen Bedingungen, nur die Sowjetunion und Mexiko standen der Republik bei, wurden die Brigaden ab 14. Oktober 1936 in Albacete aufgestellt, ausgebildet, ausgerüstet und griffen im November 1936 erstmals in die Kämpfe um Madrid ein. Ca. 35.000 Männer aus allen Teilen der Welt kämpften in den Inter-brigaden für die Freiheit Spaniens, unter ihnen 3.000 Deutsche. Namen wie Hans Beimler und Ludwig Renn sind und bleiben unvergessen.

Unvergessen sollten jedoch neben der beschämenden Politik der Nichteinmischung, die die Westmächte betrieben und damit die Augen vor der massiven Unterstützung Francos durch die faschistischen Regimes in Deutschland und Italien verschlossen, die Uneinigkeit der Verteidiger der Republik sein, die eine der Ursachen der Niederlage war.

Willy Brandt, der während des Krieges in Spanien weilte, sagte in einem Referat im Juli 1937 nach der blutigen Mai-Woche in Barcelona an die Leitung der SAP im Exil: »Die deutsche Arbeiterbewegung ist kampflos zugrundegegangen, weil sie sich nicht zum gemeinsamen Kampf gegen den gemeinsamen Feind durchrang. Der spanische Freiheitskrieg darf sich nicht im inneren Kampf verbluten.«

Die Warnung blieb ungehört, die Spannungen zwischen Anarchisten, Trotzkisten, Sozialisten, Kommunisten und republikanischen Linken konnten nicht überwunden werden und wurden blutig ausgetragen. Die stalinistischen Schauprozesse, die in Moskau zeitgleich inszeniert wurden, lieferten die Folie für die Auseinandersetzungen. Für viele, unter ihnen Ernest Hemingway und Willy Brandt, begann mit diesen Auseinandersetzungen die Abkehr vom Sozialismus-Modell sowjetischer Prägung.

Der Freiheitskampf der spanischen Republik endete mit einer Niederlage, die in eine 40jährige Diktatur führte. 500.000 Menschen sind im Bürgerkrieg und während der Franco-Diktatur verschwunden. Bis heute fehlt von vielen jede Spur. Umso wichtiger ist es, jener zu gedenken, die sich nur mit »Mut und Gewehren« und dem Ruf ¡No pasaran! – ¡Pasaremos! (Sie kommen nicht durch! – Wir kommen durch!) den Faschisten entgegenstellten.

 
Carsten Schatz