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4. Februar 2010Elke Breitenbach und Katina Schubert

Der Berliner ÖBS hat viele Gesichter

Tour durch einige ÖBS-Projekte

»Ich habe 36 Jahre als Schlosser gearbeitet, oft unter schwierigsten Bedingungen. Vor sechs Jahren habe ich meinen Job verloren – Firma pleite. Und jetzt soll ich für 1,50 Euro arbeiten?« Dieter K. hat eine bewegte Berufskarriere hinter sich. Auf die Entlassung folgen Arbeitslosigkeit, eine ABM, ein Einsatz bei einer Zeitarbeitsfirma. »Da wurden wir behandelt wie die Sklaven«. Dann eine MAE, wie die Ein-Euro-Jobs in bürokratiedeutsch heißen. 

Jetzt arbeitet er im Treffpunkt für Flüchtlinge und SeniorInnen in der Zeughofstraße in Kreuzberg. Genauer gesagt: er hat diesen Treffpunkt gemeinsam mit seinen Kollegen erst geschaffen. Einen Keller für Schrott haben sie in einen Kommunikationsraum mit Küche und regelmäßiger Versorgung in einem beeindruckenden Kellergewölbe verwandelt. Dort treffen sich die SeniorInnen aus dem angrenzenden Wohnheim und frühstücken und essen Mittag, hierher kommen viele der zum Teil hoch traumatisierten Flüchtlinge aus dem Wohnheim nebendran. Es gibt erste vorsichtige Annäherungen und im Sommer sogar gemeinsame Aktivitäten, denn auch der Garten ist jetzt nutzbar. Und das kommt daher: Dieter K. arbeitet mit sieben anderen ehemals Langzeitarbeitslosen im Öffentlich geförderten Beschäftigungssektor (ÖBS). Das heißt: sie haben vollwertige Arbeitsplätze mit Arbeitsvertrag, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsanspruch und Tariflohn, mindestens aber 1.300 Euro im Monat.

Im Treff in der Zeughofstraße bekommen sie 1.675 Euro – so will es der Tarif. Andre L. arbeitet jetzt seit bald zwei Jahren dort und ist stolz auf das Geschaffene. Aber er ist auch stolz auf sich selbst. 1997 hat der Facharbeiter, gelernter Betriebsschlosser, seine Arbeit verloren und der soziale Abstieg begann. Alkoholkrankheit, Ehe in die Brüche gegangen, Wohnung fast weg. »Mit der ÖBS-Stelle hat sich mein Leben grundlegend geändert«, sagt Andre L. »Ich habe eine neue Wohnung, eine Lebensgefährtin. Ich habe meinen Führerschein gemacht. Ich habe gelernt, nach vorne zu schauen, mein Leben in die Hand zu nehmen. Ich würde sagen, zu 80% bin ich wieder oben«. Und er hat Angst, dass er wieder fällt, sollte seine Stelle im ÖBS nicht verlängert werden. Michael L. bekräftigt. »Früher habe ich mich hängen gelassen. Jetzt habe ich eine Aufgabe, habe viel mehr Selbstvertrauen. Habe sogar das Geld, meine Wohnung schön zu machen. Das wirkt sich auch auf die Freizeit aus. Ich habe wieder angefangen, Musik zu machen. Mit meinem Ensemble wandern wir durch die Krankenhäuser. Ich bin wieder dabei«, sagt er und seine Augen leuchten. Unterstützung findet er bei Norbert D., offenbar so etwas wie das Herz des Treffs. Denn er ist der Küchenchef. Er ist berühmt für seine Quark-Keulchen, die er nach einem alten Rezept seiner Großmutter herstellt und die einfach köstlich sind. Bei unserem Besuch mutieren sie zu »ÖBS-Bällchen«. Der gelernte Maurer war jahrelang auf dem Bau bis er 2003 arbeitslos wurde. Zurück konnte er nicht mehr, die Gesundheit spielte nicht mehr mit. Jetzt hat er im ÖBS einen Job, der ihm Spaß macht. »Und ich weiß, dass wir hier sinnvolles tun, dass wir den Menschen, die hier wohnen, Angebote ermöglichen, die das Leben schöner machen und die es ohne uns nicht geben würde«. Und damit trifft er den Kern des Berliner ÖBS: er öffnet den Beschäftigten neue Perspektiven, unterstützt die NutzerInnen ihrer Angebote und stärkt den sozialen Zusammenhalt im Kiez, in der Stadt.

Integration ganz praktisch

Das machen auch die Nachbarschaftslotsinnen und –lotsen in der Düttmann-Siedlung im Kreuzberger Gräfe-Kiez. Über 3.000 Menschen leben dort auf engem Raum in rund 900 Familien, darunter viele Flüchtlinge und MigrantInnen mit oftmals jahrelang ungesichertem Aufenthaltsstatus. Viele haben keinen Weg in die Berliner Stadtgesellschaft gefunden. Die NachbarschaftslotsInnen und der Nachbarschaftstreff sollen eben diese Wege öffnen. Mit Erfolg. Die elf Lotsinnen und Lotsen haben engen Kontakt zu fast 400 der Familien, begleiten sie auf die Ämter, gehen mit in die Schulen, intensivieren den Kontakt zwischen Eltern und LehrerInnen, gehen mit zu den Ärzten, organisieren gemeinsame Aktivitäten im Kiez. Vier der Lotsen haben die Fortbildung zu Energieberatern mitgemacht. Jetzt besuchen sie die Familien mit dem Energiekoffer und machen Veranstaltungen, wie sie mit der neuen Heizung energiesparend umgehen, damit sie die Nebenkosten im Griff behalten. Und: die LotsInnen schaffen auch sich neue Perspektiven. Mariam M., über 50, hat nach einem jahrelangen Asylverfahren mit faktischem Arbeitsverbot keine realistische Aussicht mehr, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. »Diese Stelle hier ist für mich eine tolle Förderung«, sagt sie. »Wir sind wichtige Vorbilder für die Jugendlichen hier. Denn sie sehen: auch Flüchtlinge, auch MigrantInnen können in Deutschland einen richtigen Beruf haben, richtig arbeiten«, sagt Siham N, auch sie Palästinenserin. Samira K., 1992 mit ihren Eltern aus dem Bosnien-Krieg geflohen, ergänzt: »Mit unseren Sprachkenntnissen und unseren eigenen Erfahrungen haben wir eher Zugang zu den Familien, die sich isolieren«. Und Ali A., in der Ukraine ausgebildeteter palästinensischer Zahnarzt ist froh, dass er in dieser ÖBS-Beschäftigung auch seine medizinischen Fertigkeiten nutzen kann. Denn die Gesundheitsbildung ist gerade unter migrantischen Familien eine wichtige Aufgabe. Gleichwohl wünscht er sich, auch in Deutschland wieder als Zahnarzt arbeiten zu können. Die NachbarschaftslotsInnen machen ganz praktische Integrationsarbeit, in enger Kooperation mit der anliegenden Lemgo-Grundschule und den Kitas. Sie lassen das Integrationsmotto des Senats »Vielfalt fördern – Zusammenhalt stärken« praktisch werden.

Doch finanziell hängt auch das Projekt am seidenen Faden. Die Wohnungsbaugesellschaft stellt das Nachbarschaftstreff zur Verfügung, nachdem sie verstanden hat, dass auch sie von mehr sozialem Frieden im Quartier profitiert. Das soziale Stadtteilmanagement unterstützt die Nachbarschaftslotsen und den Träger VIA – Verband für interkulturelle Arbeit. Aber die Hauptfinanzierung, nämlich die Gehaltskosten kommen über den ÖBS. Und der ist nicht einfach durch andere arbeitsmarktpolitische Instrumente zu ersetzen. »Für uns ist extrem wichtig, dass die Lotsinnen und Lotsen länger hier arbeiten können«, sagt Doris Heinig von VIA. »Sie müssen ein Vertrauensverhältnis zu den Familien aufbauen – das dauert und das braucht Kontinuität«. Auch für die Beschäftigten sind Ein-Euro-Jobs keine Alternative. »Hier haben wir einen richtigen Arbeitsvertrag«. Und das heißt für sie auch: Anerkennung und Wertschätzung ihrer Arbeit.

Verantwortungsvolle Tätigkeit im ÖBS

In der OASE Pankow, dem multikulturellen Haus im Prenzlauer Berg, arbeiten viele ÖBS’ler, und zwar in verantwortungsvollen Tätigkeiten zum Tariflohn zwischen 1.300 und 2.400 Euro. Johann C., in der DDR einst Bauingenieur, hat ein Teil der Organisation des Hauses unter sich.

Hier in der Oase ist eine Koordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus genauso angesiedelt wie die Sozialberatung für Flüchtlinge, Deutschkurse, die Stelle »Ankommen« für junge Flüchtlinge, die Stiftung dragondreams – Hilfen für Kinder- und Jugendprojekte, die unter anderem Bücher »frei lässt«, in der Hoffnung, dass sie nach Lektüre zurück kommen oder an einem anderen Ort dann frei verfügbar ist. Auch hier ist ein Café Herzstück des Hauses für die Beschäftigten, die BesucherInnen der Kurse und für Veranstaltungen. Andreas P., gelernter ehemaliger vivantes-Koch und lange arbeitslos gewesen, organisiert das Cafe mit seinen beiden Kolleginnen selbstständig. »Wir bauen das hier richtig schön auf«, freut er sich. Zur Zeit wird die Küche zur »Halbküche« umgebaut. Künftig wird es also mehr als Bockwürstchen geben. Wolfgang T., auch ein »ÖBS’ler« organisiert die Verwaltung der Stiftung und der gesamten Öffentlichkeitsarbeit. Ohne ihn würde es das nicht geben und Pankow würde vieles fehlen.

Nach Abwicklung neue Chance

So wäre es auch, fehlte Dr. Wolfgang B. im Winskiez. Anfang der 90er Jahre war der jetzt 58 Jahre alte Historiker an der Akademie der Wissenschaften der DDR »abgewickelt« worden. Für Geisteswissenschaftler aus der Marxismus-Leninismus-Schule war im bundesdeutschen Wissenschaftssystem kein Platz. Er sattelte um, verschaffte sich Computerkenntnisse. Aber ein fester Job im ersten Arbeitsmarkt war unerreichbar. Heute arbeitet Wolfgang B. seit einiger Zeit im ÖBS – im internet-café des Jugend- und Bildungsservice in der Immanuelkirchstraße im Prenzlauer Berg. 

Dort bietet er Computerkurse und Unterstützung im Umgang mit Computern an. Eine Seniorengruppe kommt regelmäßig ins Café. Sie lernen da nicht nur die üblichen Programme. Sie erschließen sich auch die Welt des internets und damit auch die Welt der modernen Kommunikation. Sie wissen, was Twittern heißt, sie können chatten, sie kennen soziale Netzwerke wie facebook und wissen mit ebay umzugehen. Sie bleiben kommunikationfähig mit ihren Enkelkindern und wissen die aktuellen öffentlichen Diskurse um Informationsfreiheit, Vorratsdatenspeicherung und Datenklau sehr wohl einzuschätzen.

Das ist praktische Integrationsarbeit, auch so organisiert sich soziale Teilhabe. Alexander A., 62 Jahre alt, ist für die technische Wartung der Computer zuständig. Der studierte Diplom-Ingenieur ist seit der Wende immer wieder arbeitslos geworden, steckte in einer Vielzahl von Maßnahmen. Jetzt ist er im ÖBS. »Das ist eine gute Sache – schon von der menschlichen Seite her«, sagt er. »Hier werde ich nicht reglementiert, muss nicht immer zum Jobcenter, kann alleine entscheiden, in welcher Wohnung ich leben möchte. Das ist auch ein Riesenvorteil gegenüber all den anderen Instrumenten – die persönliche Unabhängigkeit«. Er findet, der ÖBS solle auf jeden Fall weiter gehen. Die Arbeitslosigkeit müsse doch sowieso finanziert werden.

Seine Frau, Elke A., arbeitet in der daneben liegenden Bibliothek, vor allem mit Kindern und Jugendlichen. Sie war zu DDR-Zeiten Hochschulökonomin. Heute ist dafür kein Platz mehr. Aber: »Die Arbeit mit den Kindern macht einen riesen Spaß«. Sie macht interaktive Lesungen, gemeinsam mit einer gehörlosen Kollegin auch Lesungen für hörende und nicht-hörende Kinder. »Das ist noch im Aufbau. Wir suchen noch nach Wegen, wie wir die Kinder auch erreichen«. Für die gehörlose Kollegin, die auch die Daten der Bücher eingibt, ist auch das ein Riesenfortschritt. Auf dem ersten Arbeitsmarkt hat sie keine Chance, in einer Behindertenwerkstatt nichts verloren, denn sie kann ganz viel. Hier bekommt sie die Möglichkeit, ihre Stärken zu zeigen, ihre Potentiale zu aktivieren, die der Gesellschaft sonst verloren gehen.

Stärken stärken

So geht es auch Jörn D. Er ist gehörloser Modellbauer und baut die schönsten Sachen. Holzschiffe, Puppenhäuser, selbst Musikinstrumente, die er selbst nie klingen hören kann. Auf dem ersten Arbeitsmarkt findet er keine Stelle – zu schnell ist das Tempo, zu hoch der Druck, als dass sich Betriebe im harten Wettbewerb um die Stärken und Schwächen ihrer Beschäftigten kümmern könnten. Aber beim Sozialmarkt in Spandau hat Jörn D. eine wichtige Aufgabe. Hier arbeiten rund 80 ÖBS’ler und bereiten die Sozialmärkte vor. Ehemals Erwerbslose produzieren und arbeiten Waren auf, die Menschen mit geringen Einkommen und Hartz IV-BezieherInnen für wenig Geld erwerben können. Und es sind schöne Dinge: gut aufgearbeitete Kleidung, tip-top funktionsfähige Fahrräder, Elektrogeräte, neu produzierte Deko-Artikel und vieles mehr. »Ich habe eine richtige Arbeit«, freut sich Sabine K. Sie arbeitet im Wäschelager, arbeitet gespendete Kleidung minutiös auf. »Man freut sich drauf, steht jeden Tag auf und weiß auch, dass man was sinnvolles tut«, ergänzt Ingrid J.  Ihre Kolleginnen aus der Näherei zeigen stolz ihre Produkte: Jeanstaschen aus alten Hosen, Stofftiere und neu gestrickte Pullover. »Es wäre sehr gut, wenn wir weiter so eine Arbeit haben können«, sagt Olga I unter entschiedenem Nicken von Tamara C. und Elena S. »Ich bleibe hier bis zur Rente«, erklärt Frau B. in der Kreativwerkstatt entschieden. »Ich bin treu«. Nein – zu Hause möchte sie nicht bleiben. Sie möchte arbeiten und was sinnvolles tun. Das kann sie hier.

So geht es auch den Kollegen in der Elektrowerkstatt. Sie alle haben lange Arbeitsleben hinter sich, einer als Fernfahrer, einer als Elektromechaniker, einer kam aus der Selbständigkeit übers Sozialamt in Hartz IV. »Hier ist es viel besser als in einem Ein-Euro-Job«, sagt Rudolf J. »Ich bin unabhängig, muss nicht immer zum Jobcenter, der ganze Papierkrieg bleibt mir erspart. Ich habe richtige Arbeit und das kurz vor der Rente«. Die Argumente wiederholen sich, aber das macht sie nur eindringlicher.

Das gilt auch für die Frauen in der Wäscherei und Näherei am Moritzplatz in Kreuzberg. »Die Arbeit hier ist gut«, sagt Naeye G. »Ich habe viel gelernt, ich habe eine Aufgabe, ich habe keine Depression mehr. Zu Hause bleiben, das ist nichts für mich« und Frau F. ergänzt: »Es ist eine richtige Arbeit«. »Mir hat sie neue Möglichkeiten geschaffen, ich kann viel besser Deutsch durch den vielen Kontakt mit den Kunden, ich traue mir mehr zu, alles ist viel besser«, sagt Bunruam P. In der Wäscherei und Näherei am Moritzplatz können alle ihre Wäsche abgeben. Der Betrieb ist ganz normal Mitglied der Innung, es werden normale Preise genommen. Aber: der Betrieb legt größten Wert auf Qualitätsarbeit. Dafür schulen sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auf technischem Gebiet, im Umgang mit den Kunden, in der Abrechnung, in der Sprache. In diesem Betrieb sind die ÖBS’lerInnen die Erfahrenen, die andere Beschäftigte, auch viele mit psychischen Erkrankungen, unterstützen, anlernen. Sie haben sich schon neue Perspektiven verschafft, und doch werden nur die wenigsten den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt schaffen. »Viele können das Tempo und die Arbeitsbedingungen in den Wäschereien im Wettbewerb aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund ihres Alters nicht mehr mitgehen. Sie brauchen Arbeitsplätze wie diese hier«, sagt Projektleiterin Silvia Wolchow.

Der ÖBS in Berlin ist nur für einen Teil seiner Beschäftigten eine Brücke in den ersten Arbeitsmarkt. Für viele bleibt er auf absehbare Zeit unerreichbar. Zu hoch ist die strukturelle Arbeitslosigkeit, zu hart sind für viele Menschen auch die Arbeitsbedingungen in einer hoch arbeitsteiligen und auf Konkurrenz und hohe Geschwindigkeiten abgestellten Betriebsrealität. Und für etliche wichtige gesellschaftliche Aufgaben gibt es gar keine Strukturen im ersten Arbeitsmarkt – ein Beispiel sind die Nachbarschaftslotsinnen und –lotsen. Dafür müssen wir mittelfristig Lösungen über Arbeitsmarktmaßnahmen hinaus finden. Der gesellschaftliche Bedarf an dieser Arbeit ist unübersehbar.

Und wir brauchen den dritten Sektor zwischen Markt und Staat gerade für diejenigen, die im Turbo-Kapitalismus nicht mehr mithalten können oder dort keinen Platz mehr finden. Das hat nichts mit Beschäftigungstherapie zu tun, sie verrichten wichtige und gute Arbeit. Das zeigen auch unsere Beispiele. Sie werden in dieser Gesellschaft gebraucht und sie können ihr viel geben. Das hat auch nichts mit persönlichem Scheitern zu tun. Das hat aber sehr viel mit der Ausgrenzungsdynamik der Entwicklungsgeschwindigkeit unserer hoch arbeitsteiligen Gesellschaft zu tun. Soziale Abstiegserfahrungen haben spätestens seit Hartz IV sehr viele Menschen gemacht: vom hoch bezahlten Manager bis zur Verkäuferin. Doch für viele endet dann auch die berufliche Geschichte. Und das sollte sich diese Gesellschaft nicht leisten.

Unsere Tour hat uns gezeigt: der ÖBS in Berlin hat sehr viele Gesichter, 7.500 Einzelschicksale sind hier versammelt. Man kann sagen, was sind schon 7.500 ÖBS’ler, wenn noch über 200.000  weitere Berlinerinnen und Berliner langzeiterwerbslos sind. Aber diese 7.500 individuellen Geschichten rechtfertigen schon für sich jede Anstrengung, diesen Menschen neue Perspektiven zu eröffnen und zu erhalten.

Eine Stadtgesellschaft, die den sozialen Zusammenhalt all ihrer Mitglieder zum Ziel hat, die Ausgrenzung und Marginalisierung bekämpfen möchte, für die auch alle Berlinerinnen und Berliner, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Status, Weltanschauung, Gesundheitszustand wichtig sind, muss all ihren Mitgliedern auch persönliche Perspektiven eröffnen. Wir brauchen den ÖBS aus gesellschaftspolitischen und integrationspolitischen Gründen genauso dringend wie aus arbeitsmarktpolitischen.